Wirte haben für Lockdown kein Verständnis

Ein Foto aus der Zeit vor Corona: Thomas Nikutta (rechts) empfängt seine Gäste im Le Flair. Foto: privat

Nebenjob beim Gemüsehändler: Rotthauser Gastronomen fürchten wegen des Lockdowns um ihre Existenz

(JP) Die neue Corona-Schutzverordnung verbietet es Restaurants, Bars, Kneipen und Imbissbuden, Gäste zu empfangen. Die Rotthauser Wirte werfen der NRW-Landesregierung unverhältnismäßige Maßnahmen vor. Le Flair-Inhaber Thomas Nikutta warnt trotz versprochener Ausgleichszahlungen vor langfristigen Schäden durch den Verlust vieler Gäste. Es bleibt die Hoffnung auf das Weihnachtsgeschäft.

Zugewiesener Platz, Erfassung von Kontaktdaten, Maskenpflicht abseits der Tische und viel Abstand: In den Monaten nach dem ersten Lockdown im Frühjahr erwiesen sich die Hygienekonzepte der Gastronomie als erfolgreich. Umso unverständlicher ist es für Thomas Nikutta, dass er das Nachtlokal Le Flair und das Restaurant im Hertener Tennis-Club wieder schließen muss.

„Ich habe Verständnis für sinnvolle Maßnahmen. Dennoch war ich erstaunt, dass die Gastronomie für funktionierende Konzepte bestraft wird. Im öffentlichen Nahverkehr befinden sich beispielsweise mehr Menschen auf engem Raum und mit viel weniger Abstand“, sagt er.

Durch die kürzlich eingeführte Sperrstunde um 23 Uhr und den folgenden Lockdown geht Nikuttas neu erdachtes Geschäftsmodell nicht auf. „Ich wollte mit dem Le Flair und dem Restaurant im Hertener TC ein Tages- und ein Nachtlokal miteinander kombinieren“, erklärt er. Die Sperrstunde habe ihn große Teile des Umsatzes an Halloween gekostet. Gleiches gilt auch für Manuela Roth, Betreiberin der Kneipe Bei Moni im Haus Beckmann an der Schemannstraße 42. Sie ärgert vor allem über den Pay-TV-Anbieter Sky. „Ich muss das Bundesliga-Abonnement im November weiter zahlen, obwohl ich keinen Fußball zeigen darf“, sagt sie. Bereits im Frühjahr nagte der Lockdown an ihrer Existenz. Die Mietkosten liefen weiter. Deshalb verbreitete die DJK Rotthausen einen Spendenlink, um das Stammlokal des Vereins zu unterstützen.

Keine Silvesterparty Bei Moni im Haus Beckmann geplant

Nun kamen Roth die Hauseigentümer entgegen und erließen ihr bis zum Ende des Jahres einen Teil der Miete. Roth glaubt indes nicht daran, im Dezember wie gewohnt öffnen zu dürfen. Normalerweise findet eine Silvesterparty bei ihr statt. Geplant ist in diesem Jahr aus Unsicherheit nichts. Auch die Existenzangst lässt Roth nicht los.

Suad Mujedinovic, der mit seiner Frau das Restaurant Haus Dahlbusch an der Rotthauser Straße 155 führt, versuchte bis Oktober die finanziellen Ausfälle mit einem Nebenjob bei einem Gemüsehandel in Essen zu kompensieren. „Damit habe ich uns den Geldbeutel aufgebessert und die unfreiwillig freie Zeit genutzt. Denn die rund 9.000 Euro Soforthilfe haben im Frühjahr kaum geholfen“, sagt Mujedinovic.

Er einigte sich mit der Gesellschaft für Wohnungsbau (GFW) auf eine Stundung der Mieten im Zeitraum des ersten Lockdowns. „Wir müssen noch einen Teil der Stundungen begleichen. Für November müssen wir aber nochmal das Gespräch mit der GFW suchen. Außerdem überlege ich mir, ob ich wieder einen Nebenjob annehme. Die Post sucht immer Fahrer“, sagt der Restaurantbetreiber. Mujedinovic hofft auf die von der Regierung versprochene Ausgleichszahlung. Diese soll 75 Prozent der Einnahmen aus November 2019 betragen.

Franz Martinik von Onkel Hans findet die Schließung der Gaststätten hingegen richtig. „Je stärker die Corona-Zahlen steigen, desto unsicherer werden Menschen und umso weniger Gäste kommen“, argumentiert er. Thomas Nikutta warnt hingegen davor, dass durch den Lockdown langfristig Gäste ausbleiben: „Die Leute finden andere Möglichkeiten, einen schönen Abend zu verbringen. Beispielsweise in der Gartenlaube oder dem Partykeller. Es wird sehr schwer, die Menschen wieder in die Lokale zu locken.“ Es sei an der Zeit, sich Gedanken über neue Angebote und Digitalisierung zu machen, um sich so für die Zukunft aufzustellen.