Wie aus einer Jugendhalle das Volkshaus wurde

Das Volkshaus vor knapp 100 Jahren

Serie: Häuser erzählen Geschichte(n): Im kommenden Jahre wird der 100. Geburtstag gefeiert – Zukunft ist weiterhin offen

Von Frank Winter

Eine Jugendhalle samt angeschlossenem Feuerwehrdepot wollte die Gemeinde Rotthausen anno 1914 bauen. Der erste Weltkrieg verhinderte die Umsetzung der Pläne. 1919 wurden sie wieder aufgenommen. Ohne Feuerwehrdepot und an anderer Stelle erfolgte dann die Umsetzung. Und auch die Bezeichnung hatte sich geändert: Aus der Jugendhalle war das Volkshaus geworden, das im kommenden Jahr 100 Jahre alt wird.

Noch heute steht es am Grünen Weg, ist immer noch ein Blickfang. Die Renovierung und weitere Nutzung ist allerdings seit Jahren ein Dauerthema. Ein Ende ist auch im Jubiläumsjahr nicht abzusehen.

Unmittelbar an der damaligen Kaiserschule, der späteren Dahlbuschschule, sollte die Jugendhalle ursprünglich gebaut werden. Nun wurde die Hindenburgschule der Nachbar, die heutige Außenstelle der Hauptschule Dahlbusch an der Steeler Straße. Ohne Feuerwehrdepot. Was nicht zuletzt auch an den kriegsbedingten erheblich gestiegenen Kosten lag.

Rückgang der Mitglieder

Dank Zuschüssen vom Reich und vom Staat Preußen sowie eines Fonds konnte der Bau umgesetzt werden. Dabei wurden die ursprünglichen Pläne des Regierungsbaumeisters Alfred Fischer aus Essen leicht abgewandelt. In einer handschriftlichen Notiz des damaligen Rotthauser Bürgermeisters Heinrich Hohoff vom 3. Juli 1919 verwendet dieser erstmals den Begriff Volkshaus.Am 10. Dezember 1920 wurde es feierlich eingeweiht.

Zunächst wurde es sowohl als Gemeindeverwaltung als auch für Theateraufführungen und als Sporthalle genutzt. Etwa ab 1924 bis 1932 war auch eine Deutsche Jugendherberge dort untergebracht. In der NS-Zeit wurde auch das Volkshaus okkupiert. Schon 1933 begann die Einrichtung einer SS-Führerschule, deren Absolventen in fast allen Konzentrationslagern zum Einsatz kamen.

Nach 1945 wurde das Volkshaus zunächst als Berglehrlingsheim und als Sporthalle genutzt. Nach Schließung der Zeche Dahlbusch zogen zeitweise sogenannte Gastarbeiter ein. In Sachen Sanierung tat sich nichts, sodass Anfang der 1970er Jahre sogar ein Abriss des Gebäudes erwägt wurde. Dank örtlicher Parteien wurde dies verhindert, konnten großer Saal und Toilettenanlagen instand gesetzt werden.

Viele Vereine nutzten nun das Haus, das 1984 unter Denkmalschutz gestellt und zwischen 1987 und 1989 saniert wurde. Doch bat die Stadt Gelsenkirchen ob ihrer prekären finanziellen Lage die Vereine nun auch zur Kasse. Noch einmal wurde groß gefeiert – mit einer Matinee zum 75-Jährigen am 10. Dezember 1995. Die Zukunft des traditionsreichen Gebäudes steht dennoch in den Sternen.