Wenn Enkel Verantwortung übernehmen

Blumen schmückten die frisch verlegten Steine, rechts die Gesichter dazu: Erna und Hermann Heymann mit ihrer Tochter Ellen-Margrit.

Neue Stolpersteine auf der Karl-Meyer-Straße erinnern an die jüdische Kaufmannsfamilie Heymann

Neun Stolpersteine liegen mittlerweile auf der Karl-Meyer-Straße. Sie alle erinnern an jüdische Mitbürger, die einst hier gelebt haben. Vor der Nummer 29 wird nunmehr der Familie Heymann gedacht.

Vater Hermann, Ehefrau Erna und Tochter Ellen-Margrit wurden 1944 in Auschwitz ermordet. In den 1930er Jahren hatte die Familie Heymann ein „Modernes Kaufhaus“ an der Stelle betrieben, wo später viele Jahre lang die Sparkasse Gelsenkirchen in Rotthausen zu finden war.

Die Familie verließ Rotthausen. nachdem ihr von den Nationalsozialisten der Besitz genommen worden war. Er wurde dem Kaufmann Bernhard Strickling verkauft. Dessen Nachfahren setzten sich nun mit dafür ein, dass die drei Stolpersteine verlegt wurden.

Cornelia Schwander, eine Enkelin von Bernhard Strickling, hat die Patenschaft für die drei Stolpersteine übernommen. Mit ihr waren weitere Familienangehörige vom Niederrhein, aus Karlsruhe und Freiburg angereist, um an der Gedenkveranstaltung teilzunehmen und auf diese Weise der Ermordeten zu gedenken.

Familie Strickling besuchte die Bergbausammlung

Andreas und Heike Jordan (links) und Angehörige der Familie Strickling lauschten der Totenklage „El male rachamim“ (hebr. „Gott voller Erbarmen“, vorgetragen von dem jüdischen Kantor und Schauspieler Juri Zemski. An dieser Stelle stand einst das Kaufhaus der Familie Heymann. Nach der Enteignung durch die Nazis übernahm Bernhard Strickling das Geschäft.

Eingeladen vom Projekt „Stolpersteine Gelsenkirchen“ war auch ein Kamerateam des WDR, das die Zeremonie begleitete.

Im Anschluss an die Gedenkveranstaltung vor Ort sprach Georg Gerecht vom Bürgerverein Rotthausen mit den fünf angereisten Angehörigen der Familie Strickling. Er führte sie kurzerhand zu Karlheinz Rabas in die Bergbausammlung.
Dort wurde vereinbart, die vorhandenen Unterlagen des Stadtteilarchivs Rotthausen auf Fundstücke zu den Familien Heymann und Strickling zu durchsuchen.

Der kurze Besuch in der Bergbausammlung Rotthausen beendete den Aufenthalt der Strickling-Nachfahren, die noch heute ein Geschäft in Horst betreiben. Älteren Rotthausern dürfte auch das Textilgeschäft Strickling in der Beethovenstraße noch bekannt sein.