Und jetzt? Pfarrerehepaar plant den Abschied

Noch im Mai betreute Pfarrer Rolf Neuhaus (oben links) zusammen mit Pfarrerin Kirsten Sowa (oben rechts) die Rotthauser Konfirmanden. Ab Februar droht der Jugendarbeit das vorläufige Aus.

Presbyterium bestätigt: Sonja Timpe-Neuhaus und Rolf Neuhaus haben sich für neue Gemeinde in Hemer beworben

Nach dem Wechsel von Kirsten Sowa in die Altstadt muss der Bezirk Rotthausen der Evangelischen Emmaus-Kirchengemeinde möglicherweise ab Februar 2020 zunächst ohne feste Pfarrer auskommen.
Wie das Pfarrteam und das Presbyterium in einer Gemeindeversammlung Anfang Oktober bestätigten, haben sich Sonja Timpe-Neuhaus und Rolf Neuhaus bei einer evangelischen Gemeinde im sauerländischen Hemer, einer Kleinstadt nahe Iserlohn, beworben.

Wie ein Blitz aus heiterem Himmel

Pfarrerehepaar Neuhaus kehrt seinen Schäfchen den Rücken: Gemeinde besorgt um Jugendarbeit und Passionsspiele

(JP) Auf die evangelische Emmaus-Kirchengemeinde kommt ein Umbruch zu. Das beliebte Pfarrer-Ehepaar Sonja Timpe-Neuhaus und Rolf Neuhaus wollen das Pfarrteam der Gemeinde nach 26 Jahren seelsorgerischer Tätigkeit zum Februar 2020 verlassen. Die endgültige Entscheidung fällt Ende des Jahres. In der Gemeinde schlug diese Nachricht wie ein Blitz aus heiterem Himmel ein.

Das Pfarrteam um Pfarrerin Andrea Hellmann und Kirsten Sowa, ebenfalls Pfarrerin und Vorsitzende des Presbyteriums, bestätige die Wechselabsichten der Geistlichen bei einer Versammlung im mit rund 120 Gästen vollbesetzten Gemeindesaal an der Schonnebecker Straße. Das Pfarrteam habe auch erst vor wenigen Tagen von den Wechselabsichten erfahren.Das Ehepaar Neuhaus selbst blieb der Veranstaltung fern.

Über die Gründe für den Abschied tappt die Gemeinde deshalb nach wie vor im Dunkeln. Es habe ein Zerwürfnis zwischen dem Ehepaar Neuhaus und dem Presbyterium gegeben, ließen Eingeweihte verlauten. Andere wollten erfahren haben, dass die neue Pfarrstelle in Hemer günstigere Bedingungen für die Eheleute biete. Wenn Rolf Neuhaus in Rente gehe, habe seine Frau eine Chance auf Vollzeitbeschäftigung. Für eine Stellungnahme waren die beiden Geistlichen bis Redaktionsschluss der Rotthauser Post am Freitagnachmittag nicht zu erreichen. Erst lief der Anrufbeantworter, dann war nur noch das Besetztzeichen zu hören.

Die einzigen Bewerber

Zu 100 Prozent sicher ist der Weggang aber noch nicht, die evangelische Gemeinde in Hemer muss noch über die Neubesetzung entscheiden. Schon jetzt bereitet sich die Rotthauser Gemeinde jedoch auf den Abschied vor. Kirsten Sowa erklärte den Gemeindemitgliedern: „Jeder Pfarrer und jede Pfarrerin wird vom Presbyterium der Gemeinde gewählt. Das ist in Hemer noch nicht passiert. Die Vorarbeiten wurden dort schon geleistet. Die beiden stehen in Hemer als einzige Bewerber zur Wahl. Deshalb können wir erst vom Faktum ausgehen, wenn die Wahl gelaufen ist.“

Termin für Neubesetzung nicht vor 2020

Pfarrer Andreas Chaikowski ergänzte, dass diese Wahl vermutlich im November oder Dezember stattfinden werde. Danach gebe es eine sechswöchige Einspruchsfrist. Erst nach Ablauf der Frist könne eine Freistellung und danach die Ausschreibung der zwei halben Stellen erfolgen. Wie lange dieser Vorgang samt Bewerbungsprozess dauert, konnten die Gemeindeverantwortlichen nicht eingrenzen. Zumindest bis Februar 2020 soll nach dem Wunsch von Presbyterium und Pfarrteam alles wie bisher funktionieren. „Das Ehepaar Neuhaus ist hier so lange Pfarrer, bis sie ihre neue Stelle antreten. Sie sind im Dienst vorgesehen und werden bis dahin auch ihre Arbeit weiter fortsetzen“, so Andrea Hellmann und bezog sich damit ausdrücklich auf die Kinder-, Jugend-, Kultur- und Quartiersarbeit in Rotthausen.

Beispielsweise sollen ab Oktober zweimal wöchentlich die Johannes-Passionsspiele in dem Gotteshaus aufgeführt werden. Martina Rudowitz, erste Bürgermeisterin, wünscht sich, dass die Kulturveranstaltungen weitergeführt werden: „Mit Kultur kann viel erreicht werden. Wenn diese nicht mehr stattfindet, ist es mit das Schlimmste, was Rotthausen passieren könnte.“

Schwer zu ersetzen

Die Arbeit der Evangelischen Jugend Rotthausen solle wie bisher fortgesetzt wird, versicherte Ralf Müller, Leiter der Abteilung, den Gemeindemitgliedern. Allerdings merkte er an, dass „Pfarrer Neuhaus nicht nur in den Bereichen Jugend und Kultur schwer zu ersetzen sei, sondern auch in der Quartiersarbeit und Stadtteilerneuerung. Neuhaus absolvierte im vergangenen Jahr eine einjährige Ausbildung zum Quartiersmanager.


Die Verwunderung überwiegt

Ein Kommentar von Julian Preuß

26 Jahre sind eine sehr lange Zeit. In dieser Zeit haben Sonja Timpe-Neuhaus und Rolf Neuhaus eine aktive Gemeinde in Rotthausen geformt und angeleitet. Warum möchte das Pfarrerehepaar den Ort verlassen, obwohl sie gemocht wurden und eine äußerst erfolgreiche Jugend-, Kultur- und Quartiersarbeit geleistet haben?

Dieser Frage muss sich die Evangelische Emmaus-Kirchengemeinde Gelsenkirchen stellen. Dass das Pfarrteam keine konkreten Gründe für den Schritt des Ehepaares nennen konnte, war für die Gemeindemitglieder enttäuschend.

Natürlich ist eine solche Entwicklung eine Chance, die Gemeinde für die Zukunft neu aufzustellen. Trotzdem wiegt es schwer, wenn sich zwei beliebte Pfarrer und gleichzeitig ein Quartiersmanager verabschiedet. Für die Gemeinde eine Mammutaufgabe, einen gleichwertigen Ersatz zu finden. Es bleiben viele Fragen und ganz viel Verwunderung.