Riesige Rohre schlucken Regenmassen

Der Blick in die Baugrube, wo der Oberlauf des Leither Bachs (links) und der Zufluss der Querspange (von oben) zusammengeführt in Richtung Schwarzbach (rechts) weiterfließen. Der Mitarbeiter im blauen Overall lässt die Dimensionen erahnen.

Leither Bach wird verrohrt: Ab- und Regenwasser soll für einen sauberen Bach interirdisch verlaufen

(GG) In Rotthausen werden unterirdische Rohre mit einem Durchmesser von 2,8 Metern verlegt, um das Wasser des Leither Bachs zu säubern, den Bach zu renaturieren und Überschwemmungen bei starken Regenfällen zu vermeinden. Da sich vieles in der Tiefe abspielt, nimmt kaum jemand Notiz davon. Deshalb hat die Rotthauser Post die Baustelle besucht und einen Blick in die Tiefe geworfen.

Der 1,9 Kilometer lange Leither Bach von der ehemaligen Korn-Brennerei „Schulte Kemna“ bis zur kleinen Brücke nahe der Wittener Straße werden verrohrt – genau wie die 1,7 Kilometer lange Verbindung zwischen dem Krayer Bahnhof und der Hattinger Straße. Kostenpunkt: 60 Millionen Euro.
Axel Ettner, zuständiger Bauleiter der Emschergenossenschaft, erläuerte die Bedeutung des gigantischen Bauvorhabens für die Region Rotthausen: Das Abwasser wird in die Tiefe verbannt und ein sauberer, renaturierter Bach bleibt oberirdisch bestehen. Dadurch soll sich der Leither Bach zu einer natürlichen Oase mit begrünten Ufern entwickeln. Außerdem kann durch die riesigen Rohre das Wasser von starken Regenfällen kontrolliert abgeleitet und somit beherrscht werden. Vollgelaufene Keller, überflutete Straßen und weitere Schäden, die bei heftigem Regen beispielsweise im Juli 2009 und Juli 2010 entstanden, werden so vermieden.

Rohre mit einem Durchmesser von 2,8 Metern und ein riesiges Entlastungsbauwerk westlich der Hattinger Straße nehmen dann 6300 Kubikmeter Abwasser plus Niederschlag auf und stauen diese. Der spätere Abfluss geschieht über ein 70 Zentimeter breites Rohr, welches unten an der Sohle anschließt. Steigt bei starkem Regen der Pegel in der Rückhaltung, sinken Schmutzwasser und Feststoffe nach unten und bei einem möglichen Überlauf gelangt nur das fast saubere Niederschlagswasser in den Bach. Das belastete Wasser wird dann über das 70 Zentimeter breite Rohr zur Kläranlage geführt.

5,4 Milliarden Euro für den Emscher-Umbau

Damit die Bauwerke in zwölf Metern Tiefe entstehen, werden weit über 10.000 Kubikmeter Erdaushub bewegt und einige Tausend Kubikmeter Beton verarbeitet. Mit gewaltigen Hydraulikpressen werden die Abwasserrohre in der Tiefe vorgepresst. Dazu sind jeweils nur eine Start- und eine Zielgrube erforderlich.

Das Projekt gehört zum langwierigen Vorhaben, die Emscher mit allen Nebenflüssen zu naturnnahen Gewässern umzuwandeln. Der Emscher-Umbau soll insgesamt rund 5,4 Milliarden Euro kosten.