Richard-Wagner-Straße behält ihren Namen

Keine Nazi-Verbindung: Stadt lehnt Umbenennungsantrag ab

(JP) Obwohl der Komponist Richard Wagner (1813 – 1883) gegen Juden hetzte, spricht sich das Institut für Stadtgeschichte (ISG) dagegen aus, die Richard-Wagner-Straße in Rotthausen umzubenennen. Einen entsprechenden Bürgerantrag lehnte die Stadt ab.

Nachdem 1924 die Eingemeindung Rotthausens nach Gelsenkirchen erfolgte, mussten doppelte Straßennamen vermieden werden. In der Folge entstand im Norden des Stadtteils ein Viertel, dessen Straßen die Namen bekannter Komponisten und Musiker bekamen – dazu zählte auch der Name Richard Wagners. Das ISG argumentiert, dass Wagner damit für seine musikalischen Verdienste geehrt wurde. Er zähle zu den wichtigsten deutschen Komponisten. Wagners judenfeindliche Haltung sei ohne Zweifel belegt. Wegen seiner Gesinnung stand der Komponist schon zu Lebzeiten stark in der Kritik. Unklar sei, ob Wagner als Wegbereiter des Nationalsozialismus gelten kann. Adolf Hitler war ein großer Verehrer des Komponisten. „Letztlich führt aber von Wagners judenfeindlicher Haltung kein direkter Weg zum Holocaust“, so das ISG.In Zukunft werden die Straßenschilder in Rotthausen mit einem Zusatz versehen, der auf Wagners rassistische Haltung hinweist.


Kommentar

Erklären ist besser als ausradieren

Es ist gut, dass die Diskussion um Straßen, die die Namen historisch kritischer Personen tragen, auch in Rotthausen nicht abreißt. Diese darf aber nicht zur Spielwiese von Ideologen werden. Die Gutachten des Instituts für Stadtgeschichte Gelsenkirchen sind eine gute Richtschnur. Straßennamen sind mehr als Ehrungen, sie schaffen Erinnerungsräume an den Menschen, seine Zeit, seine Taten. Namen von Nazi-Verbrechern oder Rassisten haben im Stadtbild nichts zu suchen. Namen von Menschen mit anerkannten Lebensleistungen wie Richard Wagner ausradieren zu wollen wäre falsch. Aber auch sie machten Fehler. Das Straßenschild entsprechend historisch korrekt zur ergänzen, ist daher der richtige Weg.
Susanne Schübel