Mit dem Bergbau kamen die Gläubigen

Evangelische Kirche Rotthausen feiert 125. Geburtstag – Einweihung fand am 19. Juli 1896 statt

Die ev. Kirche Rotthausen in der Steeler Straße. Foto: Hans-Günter Iwannek

Einen eigenen Namen trägt sie nicht, dafür steht sie für eine große Gemeindetradition: Die Evangelische Kirche Rotthausen feiert in diesem Jahr ihren 125. Geburtstag.

Seit 1893 fängt der Gottesdienst am Sonntag um 9.45 Uhr an. Die Kirche wurde aber erst am 19. Juli 1896 eingeweiht. Am Tag der Einweihung gab es um 8 Uhr ein einstündiges Festgeläut, dem ein Festumzug folgte. Ein Posaunenchor führte diesen vom alten Gemeindesaal zur Kirche an der Steeler Straße 48 (damals Provinzialstraße) an. Es folgten Kinderchöre, Konfirmanden, kirchlichenWürdenträger und Pastöre, Ehrengäste, Vereine und schließlich die Gemeindeglieder.

Benötigt wurde die große Kirche, weil die Einwohnerzahl Rotthausens seit Beginn der Kohleförderung auf Dahlbusch 1848 sprunghaft angewachsen war. Schon 1891 betrug die Gemeindegliederzahl der Kirchengemeinde 3500, zwei Jahre später bereits 4200. Für die Gottesdienste am Sonntag durfte die ev. Altstadtkirche genutzt werden.

Gebäude wurde innerhalb eines Jahre fertiggestellt

Die Vorgabe der Gemeindeleitung für die neue Kirche an die Architekten war, 700 Plätze im unteren Bereich und 300 auf der Empore zu schaffen.

Am 30. Mai 1895 legte Pfarrer Rohlfing den ersten Stein und am 8. Juli wurde dann feierlich der Grundstein eingesenkt. Die Gemeinde hatte da rund 4800 Glieder. Zum Kindergottesdienst am Sonntag kamen oft 500 bis 600 Kinder.

Binnen eines Jahres wurde die Kirche fertiggestellt und 1896 feierlich eingeweiht. Nur eine Woche zuvor war übrigens die katholische Kirche St. Mariä Himmelfahrt eingeweiht worden, die 2007 außer Dienst gestellt wurde.

Für die Baukosten der Kirche mit dem Erwerb des Grundstücks musste die ev. Kirchengemeinde über 169.000 Mark aufbringen. Innerhalb von 20 Jahren danach zählte die Gemeinde schon mehr als 15.000 Gläubige.

Nach dem ersten Weltkrieg 1919 hatte Rotthausen gut 29.000 Einwohner, von denen 14.000 evangelisch getauft waren. In Gelsenkirchen lebten damals 170.000 Menschen.

Seit 1989 steht das Gebäude unter Denkmalschutz

Im Laufe der 125 Jahre hat es natürlich auch kleine bauliche Veränderungen an der Kirche gegeben. So musste die Gemeinde im Sommer 1917 ihre Bronzeglocken für die Rüstung opfern. Zwei Jahre später erhielt das Gebäude dann neue Gussstahlglocken. 2004 wurden diese wiederum durch fünf Bronzeglocken ersetzt.
Bereits seit 1989 steht die Kirche unter Denkmalschutz. Am Reformationsfest 2014 haben sich die ev. Kirchengemeinden Gelsenkirchen-Altstadt, Schalke und Rotthausen (später kam auch noch die die Gemeinde Neustadt hinzu) zur Ev. Emmaus-Kirchengemeinde Gelsenkirchen vereinigt.