Mini-Kampfkünstler lernen mehr als Tritte

Maxim übt seine Tritttechnik an der Pratze. Trainer Memet Ülker (gibt Anweisungen) Foto: Julian Preuß

Trainer Memet Ülker stärkt das Selbstvertrauen von Kindern. Gleichzeitig vermittelt er Respekt und Weitsicht

(JP) In der Kampfsportschule „Fit and Fight“ lehrt Memet Ülker (54) sechs verschiedene Kampfskünste. Der Trainer legt viel Wert auf die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Er lebt die Überzeugung vor, dass Kämpfen mehr ist, als das Erlernen von Schlag- und Tritttechniken.

Memet Ülker begrüßt seine zwölf Schützlinge mit einer Verbeugung. Barfuß stehen die Jungen und Mädchen zwischen sechs und zehn Jahren in dem mit Matten ausgelegten Trainingsraum an der Karl-Meyer-Straße 46. In weißen Anzügen warten die Kinder auf die Anweisungen des Trainers. Nach einem kurzen Aufwärmtraining stehen Grundübungen im Taekwondo auf dem Plan.

Die koreanische Kampfkunst ist nur eine von sechs Sportarten, deren Techniken Memet Üker in seinen Räumlichkeiten an Kinder, Jugendliche und Erwachsene weitergibt. Der 54-Jährige lehrt zudem Kick- und Thaiboxen, Hapkido, Krav Maga und Selbstverteidigung.

Vor rund 40 Jahren fing alles an. Nachdem Ülker im Alter von etwa 14 Jahren mit seinen Eltern aus der Türkei nach Deutschland gekommen war, probierte er viele Sportarten aus. Fußball, zeitweise auch Ballet. „Dann traf ich einen Freund mit einer Sporttasche und begleitete ihn zum Karate“, erinnert sich Ülker. „Schon vorher habe ich Fotos, Videos und Filme von Kampfsportlern gesehen. Und das hat mich fasziniert“, blickt Ülker zurück.

Bis zum braunen Gurt blieb er Karate treu. „Danach war es an der Zeit, über den Tellerrand hinaus zu schauen. So habe ich mir zehn Jahre lang Taekwondo angeeignet“, erzählt der Familienvater, der sich die entsprechenden Trainerlizenzen der Kampfsportverbände erarbeitete.

Schulleiterin motiviert zum Trainerdasein

Dass sich Ülker überhaupt für eine Trainertätigkeit entschied, verdankte er vor allem seiner ehemaligen Schulleitern an der Hauptschule Am Dahlbusch. „Ich kam gut mit Frau Richmann aus. Sie wusste, dass ich Kampfsport betreibe. Daher fragte sie mich in den 1990er Jahren, ob ich an einer Projektwoche mitwirken möchte. Dabei unterrichtete ich zum ersten Mal Kinder“, führt Ülker aus. Nach Trainerstationen bei verschiedenen Vereinen gründete der Sportbegeisterte 2007 seine eigene Kampfsportschule in Rotthausen. Er gab seine Selbstständigkeit im Einzelhandel auf und machte sein Hobby zum Beruf.

Noch immer spielt die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen eine wichtige Rolle in seiner Arbeit. „Es ist ein schönes Gefühl, wenn die Kleinen Erfolg haben. Sie schauen zu mir hoch und ich sehe in ihnen den Glauben, dass sie schwierige Aufgaben schaffen können. Das macht mich stolz“, sagt Ülker und ergänzt: „Mit dem Kampfsport möchte ich den Kids die innere Ruhe vermitteln, den Glauben an sich selbst stärken und zeigen, wie wichtig Respekt vor dem Gegenüber ist.“

Viele Kulturen begegnen sich beim Kampfsport

Von Respekt geprägt ist auch das Miteinander in den Umkleiden oder im kleinen Bistro der Kampfsportschule. „Es kommen Familien, Menschen aus Deutschland, der Türkei, Syrien oder Bulgarien bei mir zusammen. Trotz der Multikulturalität habe ich noch nie einen Streit erlebt“, sagt Ülker lobend.

Lob verteilt der Trainer auch an seine jungen Schützlinge. Auf den rot-blauen Matten powern sie sich beim Pratzentraining aus. Ülker gibt auch zum Ende der Stunde Tipps, um die Tritte auf Schulterhöhe weiter zu verbessern. Mit Erfolg. Danach endet das Taekwondo-Training wie es begonnen hatte: mit einer respektvollen Verbeugung.

Kontakt:
Fit and Fight
Karl-Meyer-Straße 46
Tel.: 0172/9053105