Liebe zum Quartier belebt die Gastro-Szene

Mit Stammgast Matthias Olberich (links) startet Thomas Nikutta (rechts) jeden Freitag das Event „Crazy Friday“: Als Höhepunkt gibt es ab Mitternacht ein kostenloses Currywurst-Frühstück.

Die Kneipen-Kultur verändert sich: Trotzdem wehren sich Rotthauser Lokale gegen das große „Gaststättensterben“

(JP) „Das Kneipensterben in Gelsenkirchen geht weiter“, titulierte kürzlich die Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ). In ganz Gelsenkirchen? Nein. „Die Gastro-Szene in Rotthausen funktioniert gut“, erklärt Thomas Nikutta. In Rotthausen betreibt er seit mehr als drei Jahren das „Le Flair“ an der Schonnebecker Straße 40.

Nikutta verantwortet ebenfalls den „Flash-Pub“ in der Gelsenkirchener Innenstadt mit. Im Oktober kündigte er an, das Nachtlokal zum Jahresende zu schließen. Ein Grund: der Sterbeprozess in der Gastronomie-Szene, der sich dort beobachten lässt. Bekannte Lokale wie das „El Sombrero“, Burgers&Beer“ oder eben der „Flash-Pub“ verschwinden nach und nach.

Als Eventmanager ist Nikutta seit etwa 20 Jahren im Quartier aktiv und hat die Entwicklungen im Stadtteil beobachtet. Derzeit bleiben die Gaststätten und Kneipen von dem Sterbeprozess verschont. Für Nikutta hat das einen einfachen Grund: „Rotthausen ist ein Dorf mit einer anderen Mentalität. Hier ist eine Stadtteilverbundenheit zu beobachten. Die gibt es in der Innenstadt nicht“, erklärt der „Le Flair“-Inhaber. Zwei Restaurants, drei Kneipen und mehrere Imbissbetriebe sorgen für eine lebendige Gastronomieszene.

„Sportvereine, Stammtische oder einfach Stammkunden bieten eine verlässliche Basis für die Betriebe im Quartier“, so Nikutta. An dieser Stelle gebe es in der Innenstadt eine große Konkurrenz um die Laufkundschaft – eine Konkurrenz, die im Kleinen kaum existiere. „Wir ergänzen und unterstützen uns gegenseitig“, erläutert Nikutta.

Kohle- und Stahlindustrie ist mit Kneipen-Kultur verbunden

Doch auch dem Unternehmer fällt auf, dass sich in den letzten Jahrzehnten viel im Rotthauser Gastronomie-Bereich verändert hat. Ende März 2018 schloss das „Kolpinghaus“, auch das „Haus Steinfurt“ machte dicht. „Die Kneipen-Kultur hat sich stark gewandelt. Das hat einen einfachen Grund: Den klassischen Arbeiter, der nach der Schicht noch ein Bier trinken geht, gibt es nicht mehr“, so Nikutta. Er verknüpft das Ende der Kohle- und Stahlindustrie im Ruhrgebiet somit eng mit dem Wegfall der Kneipen.
Darum sei der klassische Ausschank nicht mehr gefragt. Die Lokale müssten mehr anbieten: „Es reicht nicht mehr, nur die Tür aufzumachen und auf Gäste zu warten. Mit Musik-, Themen- oder Eventabenden kann man neue Gäste gewinnen. Dart- oder Schockturniere sind beispielsweise solche Veranstaltungen.“

Junge Kneipengänger bleiben aus – Innovationen gefragt

Nikutta sieht unpassende oder fehlende Werbung ebenfalls als einen Grund für die Schließung vieler Gaststätten an. „Als Inhaber muss man immer aktiv sein und auf sich aufmerksam machen.“ Wie, das unterscheidet sich allerdings je nach Art des Lokals. „Im Kleinen, wie hier in Rotthausen, reicht vielleicht die Mund-zu-Mund-Propaganda. Das funktioniert nicht, wenn man auf Laufkundschaft angewiesen ist. Dabei gilt es, vor allem mit der Musik verschiedene Altersgruppen anzusprechen. „Ich veranstalte beispielsweise nicht nur Schlager-, sondern auch mal Hip-Hop- oder Rock-Abende“, beschreibr Nikutta sein Konzept. „Gerade junge Leute gehen seinem Empfinden nach immer weniger in reine Kneipen.“