Lebenswerte Straße für 8- bis 80-jährige

Mehr Grün und Natur – das wünschten sich zwei Kita-Gruppen bei einem Spaziergang. Foto: Michael Godau

Lothringer Straße soll zu ansprechendem Aufenthaltsort werden – Weitreichende Anwohnerbeteiligung geplant

(JH) „Wie sieht eine lebenswerte Straße aus?“ – Diese Frage stellte das Umweltministerium des Landes NRW 2019 dem Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie. Daraus entstanden ist nach ersten Skizzen das Pilotprojekt „Lebenswerte Straßen, Orte und Nachbarschaften“ (LeSON). Als einer der Straßenzüge, die umgestaltet werden sollen, wurde die Lothringer Straße in Rotthausen ausgewählt.

In Kooperation mit der Emschergenossenschaft sollen gemeinsam mit Anwohnerinnen und Anwohnern und der Stadtverwaltung konkrete Planungsentwürfe zum Straßenumbau entwickelt werden.

Das Wuppertal Institut hat sich bereits in einer Vorgängerstudie unter dem Titel Lebenswerte Straße in resilienten urbanen Quartieren damit befasst, wie eine Transformation urbaner Quartiersstraßen hin zu „lebenswerten“ Stadt- und Straßenräumen erfolgen kann. „Wie kann man Straßen an Folgen des Klimawandels anpassen? Wie geht man mit Starkregen-Ereignissen um? Wie schaffen wir eine hohe Aufenthaltsqualität für alle Generationen?“, zählt Steven März, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Wuppertal Institut die Fragen auf, die das Pilotprojekt LeSON begleiten. „Für uns ist es ein Glücksfall, das Stadtteilbüro Rotthausen als Anker vor Ort zu haben.“ Letzteres sei das Bindeglied zwischen den Akteuren und den Bürgern.

Für die Lothringer Straße habe man sich entschieden, da diese im Integrierten Entwicklungskonzept ohnehin vorgesehen war. „Sie bietet sich einfach an, weil dort ein Familienzentrum, ein Spielplatz und in der Nähe ein Seniorenzentrum angesiedelt sind“, sagt Sarah Loch, Programmleiterin der Stadterneuerung Rotthausen.

Kinder achten auf die Details an der Lothringer Straße

In der Antragsphase hofften die Projektpartner noch, dass Corona bis Herbst passé sei. „Geplant waren Workshops mit Kindern, Quartiersspaziergänge und vieles mehr.“ Unter den aktuellen Bedingungen sei dies alles nicht möglich. „Glücklicherweise konnte vor dem Teillockdown noch ein Spaziergang mit zwei Kita-Gruppen gemacht werden“, sagt Steven März. Kinder achteten darauf, wie das Pflaster verlegt ist. Haptisches und alles, was mit Natur zu tun hat, begeisterte die Kleinen. Ziel sei die Umsetzung der 8-bis-80-Formel: „Die Straße soll so entwickelt werden, dass sie für einen Achtjährigen genauso ansprechend ist wie für einen 80-Jährigen.“

Dazu sollen verschiedene Varianten zur Umgestaltung der Lothringer Straße entwickelt werden, die den Anwohnern als Diskussionsgrundlage dienen. Aktuell entwickelt das Projektteam drei erste Entwürfe mit unterschiedlichen Schwerpunkten – Entsiegelung und Begrünung, mehr Aufenthaltsqualität für Kinder und die Straße als Anker, um sich dort aufzuhalten. „Es wird so aussehen, dass Elemente der Entwürfe als Bausteine für den tatsächlich Entwurf zum Einsatz kommen“, erklärt März.

„Es ist ein super spannendes Projekt“

Die Planung werde von einem externen Büro erstellt. „Bis die eigentliche Bauphase beginnt, wird es aber noch dauern“, sagt Daniela Falter von der Emschergenossenschaft. Schließlich müssen Fördermittel beantragt, alle Schritte mit Stadt und Akteuren abgestimmt werden.
„Wir möchten aber mit temporären Maßnahmen schon mal zeigen, was möglich ist“, betont Daniela Falter. Geplant sei auch ein Straßenfest, falls dies Corona-bedingt möglich ist. „Es ist ein super spannendes Projekt“, betont Steven März. „Ich bin optimistisch, dass wir im kommenden Jahr mit der Anwohnerbeteiligung durchstarten können.“