Kinder besprühen Wand mit eigenen Motiven

Nach anfänglichen Problemchen haben die Kinder den Umgang mit der Spraydose gemeistert. Fotos: Humpfle

Projekt der Evangelischen Jugend hinterlässt bunte Spuren an der Mechtenbergschule

(J.H.) „Von mir stammt die Idee mit dem Einhorn“, sagt Laura. „Ich habe die Tasse entworfen“, sagt Karolina. Zu sehen sind auf der Wand außerdem ein Bagger, ein Bär, ein Förderturm und der Schriftzug Mechtenbergschule. Alle Ideen stammen von den Kindern und Jugendlichen, die sich am Graffitiprojekt der Evangelischen Jugend Rotthausen beteiligen.

„Bei mir müssen sich die Kinder den Umgang mit der Sprühdose erst einmal verdienen“, sagt Künstler Maurizio Bet, den alle nur Maui nennen. Er hat in Zusammenarbeit mit den Gruppen der Ev. Jugend die Motive erarbeitet und umgesetzt. „Mir ist es wichtig, dass die Kinder erst die Grundlagen lernen, das heißt, ihre Wunschmotive auf Papier zeichnen.“ So können sie diese im Vorfeld üben und lernen das Sprayen von Grund auf. „Wer es später weitermachen möchte, beherrscht dann die Grundlagen.“

Bei Stadtteilbegehung Orte markiert

Entstanden ist die Projektidee nach einer Stadtteilbegehung, bei der die Kinder Ecken markieren konnten, die bunt werden sollen. Die Mechtenbergschule war ein Ort, der bunt werden sollte. „Es hat eine ganze Weile gedauert, bis alle Genehmigungen da waren“, sagt Ralf Müller, Leiter der Ev. Jugend Rotthausen. „Da wir dieses Projekt möglichst lange fortführen möchten, war uns aber auch wichtig, dass die Stadt und die entscheidenden Stellen mit im Boot sind.“ Finanziert wird das Projekt über den „Heimatscheck“ des Landes NRW.
An Elan mangelt es den jungen Nachwuchskünstlern an diesem Nachmittag jedenfalls nicht. Wie ein Ameisenhaufen wuseln sie um den Künstler herum, stellen Fragen, sind ab und an vorlaut. „Farben sind Werkzeuge, kein Spielzeug“, ruft dieser sie zur Ordnung, als es etwas zu wild wird. Insgesamt gehen die Kinder aber diszipliniert mit dem Material um. „Anfangs haben sie sich etwas schwer getan mit dem Sprühen“, verrät Nicola Bode, Leiterin der OGS, die sich sehr über das tolle Ergebnis freut. Vor allem die Dose im richtigen Winkel zu halten, habe etwas gedauert. „Aber dann haben sie schnelle Lernfortschritte gemacht.“

Maurizio Bet zieht an diesem Tag eigentlich nur noch die letzten Außenlinien nach. Die jüngeren Kinder haben vor allem die Motive ausgemalt, während die Älteren auch schon eigene Linien gezogen haben.
„70 Prozent stammt von den Kindern, 30 Prozent von mir“, sagt Bet. Das Schöne am Sprayen sei, dass man kreativ mit dem arbeiten kann, was einem zur Verfügung steht. Man kann viel experimentieren. „Ich male eigentlich nur etwas vor und helfe bei den technischen Sachen.“ So hat er die Form der Buchstaben vorgegeben. „Ich habe schon viele Projekte mit Kindern und Jugendlichen gemacht und freue mich immer, wenn sie später weitermachen.“ Laura und Karolina wollen das auf jeden Fall. Sie haben auch schon an der Schulmauer mitgewirkt und sind sich einig: „Wir wollen auf jeden Fall weitermachen.“

Großes Happening für Graffiti-Künstler

Eine Gelegenheit bei einem großen Projekt mitzumachen, ergibt sich vielleicht bald für die Kinder und Jugendlichen. Denn Künstler Maui hat die Genehmigung für die Gestaltung der Rückwände der Firma Pilkington im Heckenweg.

„Ich könnte mir vorstellen, ein Happening für Graffiti-Künstler zu organisieren“, verrät Maui. Kinder und Jugendliche, die schon fit an der Dose sind, könnten dort mithelfen. „Das ist das tolle an dieser freien Kunstart, man ist mittendrin und die Bilder kann jeder sehen.“


Info

Die zu verschönernden Wände in Rotthausen wurden zusammen mit Svenja Hartjes vom Referat Kultur Stadt Gelsenkirchen und Andreas Browa vom Stadtteilbüro ausgewählt.

Auf dem Plan steht noch die Straßenmauer Am Dahlbusch / Ecke Danziger Straße. Fertig sind nun die Wand an der Mechtenbergschule und die Backsteinmauer an der Steeler Straße 52.

Die Evangelische Jugend hofft, dass sich noch weitere Projekte ergeben.