„Kermes“ bringt Nachbarn und Kulturen zusammen

Yavuz Demir, stellvertretender Vorsitzender und Ismet Bozuk, erster Vorsitzender der Moschee-Gemeinde Yeni Camii (von links) begrüßten von Freitag bis Sonntag etwa 400 Besucher bei der „Kermes“ auf dem Hof der Steeler Straße 83-85.

400 Gäste besuchten das Gemeindefest der Moschee-Gemeinde Yeni Camii an der Steeler Straße

(JP) Im Oktober lud die muslimische Gemeinde Rotthausen wieder zu ihrer jährlichen „Kermes“ (türkisch: Jahrmarkt, Kirmes, gemeinnütziges Fest) ein. Mit dem Fest auf dem Hof der Steeler Straße 83-85 möchte sich die Gemeinde öffnen. Die Veranstaltung soll ein Beitrag zu einem gemeinsamen, friedlichen und vertrauensvollen Zusammenleben sein.

Unter den weißen Pavillons, die sich auf dem Hof befanden, standen die Besucher der „Kermes“ Schlange. Auf langen Tischen lockten zahlreiche türkische Spezialiäten. Von selbstgebackenem Kuchen, Baklava und Gözleme (würzig gefülltes Fladenbrot), über Lahmacun (türkische Pizza), gefüllte Weinblätter, Börek (gefüllter Auflauf oder Strudel) und Döner, servierten die Gemeindemitglieder fast alles, was die türkische Küche zu bieten hat.

„Wir möchten uns mit den Menschen aus der Nachbarschaft und dem Stadtteil unterhalten und unsere Kultur näher bringen“, erzählte Gemeinde-Vorstandsmitglied Hulisi Tekin einige Tage vor dem Fest, das nach dem Freitagsgebet eröffnet wurde. „Die gesamte Gemeinde bereitet die ‚Kermes‘ vor“, so Tekin weiter. Er gehört zum neunköpfigen Vorstand der Ditib Türkisch-Isamischen Gemeinde Rotthausen Yeni Camii.

Immer mehr junge Menschen treten bei

Seit 2006 befindet sich der Standort der Gemeinde samt Gebetsräumen in den Gebäuden an der Steeler Straße 83-85. Gegründet wurde sie 1976, ansässig an der Bromberger Straße. „Wir sind eine Gemeinde mit etwa 200 Mitgliedern – und die Zahlen steigen an. Es kommen viele Leute, auch Kinder dazu“, berichtete Ismet Bozuk. Unter den neuen Mitgliedern befinden sich aber nicht nur Türken. Auch Syrer und Araber kommen in die Gebetsräume.

Bozuk ist schon seit 1999 im Vorstand aktiv ist. Auch dort möchte er den Verjüngungsprozess vorantreiben. Geschäftsführer Tekin hebt der erste Vorsitzende die Jugendarbeit hervor: „Kinder können hier in kleinen Gruppen von Müttern betreut werden. Außerdem bekommen sie hier Koran-Unterricht. Damit sprechen die Kinder und Jugendliche Türkisch und Deutsch. Zusätzlich lernen sie Arabisch zu lesen, um den Koran zu verstehen. Das fördert das Gemeindeleben und den Kontakt zwischen den Kulturen“, erklärt Tekin. Zusätzlich gibt es Frauen- und Jugendgruppen, in denen gemeinsam gelernt, Tee getrunken und während des kommenden Ramadan (23. April bis 25. Mai 2020) auch gemeinsam gegessen wird.Über die politische Situation in der Türkei und die rechtsextremistischen Probleme in Deutschland sprechen sie aus religiösen Gründen in den Gemeinderäumen nicht.