Kassen zahlen zu Wenig für häusliche Pflege

Rebecca Lenders, Masterstudentin der WHS, übergibt die Ergebnisse an (von links) APD-Chef Claudius Hasenau und die Prokuristen Janina Bialon und Björn Schulte.

Masterstudierende der WHS analysieren APD-Erlöse: Unterdeckung von bis zu zehn Euro pro Stunde

Die deutschen Krankenkassen zahlen seit Jahrzehnten zu wenig Geld für die häusliche Krankenpflege. Aktuell bleiben die Pflegeunternehmen auf einem Minus von etwa zehn Euro pro Stunde sitzen.

Zu diesem Ergebnis kamen Masterstudenten des Fachbereichs Wirtschaftsrecht der Westfälischen Hochschule Recklinghausen (WHS) in Zusammenarbeit mit der APD Ambulante Pflegedienste Gelsenkirchen GmbH in dem Projekt „Leistungsgerechte Vergütung in der häuslichen Krankenpflege“.

Für die Pflegeanbieter bedeutet die Unterdeckung jährliche Einnahme-Einbußen in Milliardenhöhe – Geld, das die Branche dringend braucht, um ihr Pflegepersonal besser zu bezahlen, die Arbeitsbedingungen in der Pflege zu verbessern, die Digitalisierung voranzutreiben und das unternehmerische Risiko abzusichern.

Seit 1. Januar 2019 erlaubt das Pflegepersonalstärkungsgesetz, dass Pflegeunternehmen eine leistungsgerechte Vergütung der häuslichen Krankenpflege gemäß Sozialgesetzbuch V (SGBV) zusteht. Einen nach ökonomischen Prinzipien errechneten Stundensatz, der zum Beispiel auch Elemente der Eigenkapitalverzinsung und des unternehmerischen Risikos enthält, gab es bisher nicht. „Im neuen Gesetz wurde leider nicht ausgeführt, wie sich die leistungsgerechte Vergütung genau zusammensetzt. Diese Lücke haben die Studenten geschlossen“, so Claudius Hasenau, Geschäftsführer der APD-Gruppe, der die Projektidee an die Westfälische Hochschule herantrug. Er führt weiter aus: „Ihre Ergebnisse versetzen uns in die Lage, mit den Kassen neu zu verhandeln, um in Zukunft unsere Pflegekräfte besser bezahlen zu können.“

Keine Hurra-Rufe und keine Geschenke

Dass die Ergebnisse nicht in der Schublade verschwinden werden, steht jetzt schon fest. Eine große Krankenkasse, so Hasenau, habe bereits Interesse signalisiert: „Wir werden die Strukturen, die hier erarbeitet wurden, als Grundlage nehmen, um mit dieser Krankenkasse einen Einstieg in die Verhandlungen für 2021 zu gehen.“

Darüber hinaus wird der APD-Chef die Ergebnisse konsequent Branchenpartnern transparent machen, um politischen Druck zu erzeugen, zum Beispiel über die Ruhrgebietskonferenz Pflege und den Bundesverband wig Wohnen in Gemeinschaft. Claudius Hasenau rüstet sich für die Diskussion: „Hurra-Rufe der Kostenträger erwarte ich nicht. Man wird uns nichts schenken. Aber dank der Pionierarbeit der WHS-Studenten haben wir gute Argumente, die wir notfalls vor dem Sozialgericht vorbringen und bewerten lassen können.“

Mehr Infos: www.apd.de