Im Alter Selbstbestimmung leben

Ein Ort, an dem es sich gut alt werden lässt: Eine Pause gönnten sich nach dem WG-Rundgang die Delegation von Bündnis 90/Die Grünen mit (vorn von links) Ingrid Wüllscheidt, Karen Modersohn-Kluth, Anke Jedamzik und (hinten von links) APD-Chef Claudius Hasenau, Mehrdad Mostofizadeh und Felix Banaszak.

Beeindruckt von Qualität: Grüne Landes- und Kommunalpolitiker informierten sich in APD-Demenz-WG

(JH) „Was können wir tun, um selbstbestimmtes Leben im Alter zu ermöglichen?“ Diese Frage stellte Felix Banaszak, Vorsitzender der NRW-Grünen, an Claudius Hasenau, Geschäftsführer der APD Ambulante Pflegedienste Gelsenkirchen GmbH. Zusammen mit einer Delegation grüner Sozialpolitiker besuchte der Landeschef die Demenz-WG der APD in Rotthausen.

Noch vor zehn Jahren habe niemand in NRW geglaubt, dass Wohngemeinschaften überhaupt eine Zukunft haben, gab Claudius Hasenau eine Einführung in die Thematik. Heute begleitet die APD in Gelsenkirchen und Meinerzhagen 18 WGs für Menschen mit Demenz. Es könnten deutlich mehr sein, doch: „Wir finden kein Fachpersonal mehr,“ so Hasenau. Als Beleg nannte er aktuelle Zahlen der Engpassanalyse der Bundesagentur für Arbeit aus Mai 2019. Diese dokumentierten den Umstand, dass aktuell in der Altenpflege im Bundesdurchschnitt 183 Tage notwendig sind, um eine Stelle neu zu besetzen. Der Fachkräftemangel bedrohe die existenzielle Versorgung – nicht nur im Ruhrgebiet.

Es dauert fast 200 Tage, bis eine neue Stelle besetzt ist

Skandalös sei außerdem, dass die Bezahlung in der stationären Pflege deutlich besser sei als in der ambulanten. Hasenau: „Ich würde meinen Mitarbeitenden sofort gern mehr bezahlen. Was der ambulanten Pflege aber fehlt, sind die Möglichkeiten der Refinanzierung dieser Kosten. Hier muss die Sozialpolitik schnellstens handeln, wenn die ambulante Pflege nicht ausbluten soll.“ Die aktuelle Landespolitik von CDU-Minister Karl-Josef Laumann erschwere die Situation zusätzlich. Die rot-grüne Vorgängerregierung habe viel Gutes auf den Weg gebracht. Er fürchte, dass dies wieder zunichte gemacht werde, so Hasenau.
„Das wird im Landtag gerade heftig diskutiert“, antwortete der Landtagsabgeordnete Mehrdad Mostofizadeh, er sei mit der aktuellen Entwicklung unzufrieden. Mostofizadeh zeigte sich beeindruckt von den alternativen Wohnangeboten der APD. Vergleichbares gebe es selten: „Am liebsten würde ich einen APD-Vertreter zu einer Debatte im Landtag mitnehmen“.
„Der geschützte Raum, der sich gleichzeitig dem Quartier und der Stadt gegenüber öffnet, bietet Rückzug und gleichzeitig die Möglichkeit, weiter am öffentlichen Leben teilzunehmen.“ „Das idyllische Außengelände sorgt für eine besondere Qualität, die leider nicht viele Einrichtungen bieten können“, meint Felix Banaszak. „Hier wird der Anspruch, Menschen mit Demenz ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen, wirklich gelebt.“