Hinter dem Berg hausten einst Raubritter

Das Torhaus im Renaissance-Stil befindet sich auf Essener Boden und steht seit 1985 unter Denkmalschutz. Foto: win

Achternbergstraße erinnert an altes Rittergut – Erhaltenes Torhaus steht heute auf Krayer Gebiet

Von Frank Winter

Im Süden unseres Stadtteils verläuft die Achternbergstraße von der Mechtenbergstraße bis zur Schonnebecker Straße. Der Name geht zurück auf den alten Rittersitz Achtermberg, an den heute nur noch das Torhaus erinnert, das nach der Eingemeindung Rotthausens zu Gelsenkirchen nun auf Essener Gebiet zu finden ist.

Der Bürgerverein hatte sich in den 1970er Jahren bemüht, die Grenzen wieder zu verschieben, weil das Rittergut einerseits historisch Rotthausen zuzuordnen ist und der Torbogen sowie die auf dem ehemaligen Rittergut nun liegenden Gebäude nur von dort aus zu erreichen sind. Das Vorhaben scheiterte nicht zuletzt daran, dass nicht nur Ortegrenzen hätten verschoben werden müssen, sondern auch die von Regierungsbezirken.
Das Rittergut war eine Grenzbefestigung des Stiftes Essen zum „feindlichen Ausland“. Wobei der Schwarzbach die Grenze bildete und auch die Gräfte (westfälische Bezeichnung für Wassergraben) von Haus Achternberg mit Wasser versorgte. Dass es heute auf Essener Gebiet zu finden ist, liegt an der Grenzfestlegung zu Zeiten der Eingemeindung vor fast 100 Jahren. Diese orientierte sich an der Grenze des Grubenfeldes von Dahlbusch. Und Haus Achternberg liegt halt direkt neben dieser Grenze über dem Grubenfeld Bonifacius und wurde daher der Bürgermeisterei Kray zugeschlagen.
Die erste bekannte Bezeichnung des alten Hofes stammt bereits aus dem 10. Jahrhundert. Athinesberga wurde er damals genannt. Vermutlich im 13. Jahrhundert entstand an dieser Stelle die Ritterburg, die vom zuständigen Stift Essen aus „achter dem Berge“, also hinter dem (in diesem Fall) Mechtenberg lag. Als wahrscheinliche Erbauer des steinernen Hauses „Heked achter dem Berge“ gelten die Herren von Heege, die im 14. Jahrhundert auf der Burg saßen.

Im 15. Jahrhundert ging das Gut an die Ritter von Asbeck zu Goor. Zu denen gehörten auch bekannte Raubritter. Berndt von Asbeck wurde beispielsweise 1448 gefangen und hingerichtet. Godert von Asbeck wiederum, Ende jenes Jahrhunderts aktiv, werden Tollkühnheit gegen die mächtigen Herren und Edelmut gegenüber den Bedürftigen nachgesagt.

In der Folgezeit hatte das Haus verschiedene Besitzer, ehe es 1901 von der Gelsenkirchener Bergwerks-AG erworben wurde. Nur vier Jahre später brannten die alten Hofgebäude ab. Und so erinnert heute nur noch das seit 1985 unter Denkmalschutz stehende Torhaus an den einstigen Rittersitz. Im 15. und 16. Jahrhundert war es im Renaissance-Stil aus Ruhrsandstein erreichtet worden. Zuletzt wurde es 2001 saniert. Heutzutage kennen es in erster Linie jede Menge Radfahrer, die es von Rotthausen aus auf dem Weg zur Rheinelbe-Trasse durchqueren.