„Guck Mal, da kommt Heinz Erhardt!“

Kinonachmittag mit Snacks in der TAPS. Foto: APD

Wo „Der Haustyrann“ gute Erinnerungen weckt – Kinonachmittag in der APD-Tagespflege

Hier weckt sogar „Der Haustyrann“ gute Erinnerungen: Wenn Heinz Erhardt („Was bin ich wieder für ein Schelm!“) auf der großen Lein-wand Schabernack treibt, amüsieren sich die Gäste im TAPS-Kino am Margarethe-Zingler-Platz königlich.

Einmal im Monat ist Kinotag in der Tagespflege der APD Ambulante Pflegedienste Gelsenkirchen GmbH am Margarethe-Zingler-Platz in der Gelsenkirchener Altstadt. Im Schulungsraum, wo sonst zukünftige Pflegefachkräfte büffeln, machen es sich die Gäste der Tagespflege bequem. Auch wenn die zumeist pflegebedürftigen oder demenziell veränderten Seniorinnen und Senioren nicht mehr selbst ins Kino gehen können, so brauchen sie auf das Gemeinschaftserlebnis nicht zu verzichten.
Ralf Bergmann-Janz, Leiter der teilstationären Einrichtung, setzt Beamer und Leinwand in Aktion, duftendes Popcorn steht bereit. Entspannt sitzen die TAPS-Gäste zu zweit an kleinen Tischen, Süßes und Salziges wird geknuspert, die Getränke schimmern aufregend giftgrün und blutrot. Immer wieder geht die Alltagsbetreuerin Karin Albrecht durch die Reihen, schenkt nach, reicht kleine Snacks – Käse mit Weintrauben oder Erdbeeren, Tomaten mit Mozzarella. So macht Kintopp Spaß, nicht nur Senioren.

Was als Experiment begann, wurde zum festen Angebot

Seit Mitte 2019 organisiert TAPS-Leiter Bergmann-Janz einmal im Monat die Kinonachmittage. „Wir haben überlegt, womit wir unseren Gästen Freude machen könnten“, erklärt er. In der Tagespflege gibt es ganz bewusst keine TV-Geräte. So entstand die Idee, Kinovorstellungen im Schulungsraum zu organisieren, der dafür technisch perfekt ausgerüstet ist. „Wir haben gefragt, welche Filme unsere Gäste früher gerne gesehen haben“, sagt Ralf Bergmann-Janz. Steht der Film fest, werden Flyer in der Tagespflege ausgehängt. Damit möglichst alle teilnehmen können, wechseln die Kinotage.

Beliebt sind deutsche Filme der 1960er Jahre mit Heinz Rühmann oder Heinz Erhardt. „Die Drei von der Tankstelle“ gab es schon, nun „Der Haustyrann.“ Die Rückmeldungen sind durchweg positiv. Was als Experiment begann, wurde schnell ein festes Angebot, an dem nicht nur die TAPS-Gäste ihren Spaß haben. „Wir können beobachten, wie sich die Gäste an die Filme erinnern. Sie stupsen ihre Nachbarn an und flüstern: Pass‘ auf, jetzt kommt Heinz Erhardt.“
„Ich freue mich immer sehr auf den Film“, verrät Gudrun de Haar, 89, bevor es auf der Leinwand losgeht: „Das ist mal was anderes.“ Früher sei sie einmal pro Woche ins Kino gegangen – eine Mark kostete damals ein besserer Platz weiter hinten: „Caterina Valente habe ich so gerne gesehen.“ Dann richtet sie ihren Blick konzentriert nach vorn, wo gerade der Film beginnt. Und es wirkt beinahe so als hätte sie vergessen, dass sie nicht wirklich in einem Kinosaal sitzt. Das passiert gar nicht so selten. Einmal wollte ein Gast bei Ralf Bergmann-Janz hinterher fünf Euro bezahlen. Er dachte, er sei im Kino. Wie früher.

Infos zur APD-Tagespflege:
www.apd.de, Telefon gebührenfrei 0800 9230500