Gräber auf Rotthauser Friedhof geschändet

Gräber wie dieses wurden Opfer von Grabschändungen. Hier fehlen rund 70 Stiefmütterchen die in zwei Schalen sowie vor dem Grabstein gepflanzt waren. Anmerkung: Zum Schutz des Grabes wurde Inschrift des Steins digital entfernt.

Gestohlene Blumen und auf Gräbern entleerte Mülltonnen: Friedhof kämpft mit Vandalismus – Besucher haben Angst

(JP) Der Ehemann und die Eltern von I. D. ruhen auf dem Rotthauser Friedhof (der Name der Betroffenen ist der Redaktion bekannt).Zwischen Ende März und Anfang April wurden beide Gräber Opfer von Vandalismus und Blumendiebstahl. Dies waren keine Einzelfälle auf dem Friedhof des Stadtteils. Die Polizei erwischte einen Tatverdächtigen, aber die Probleme bleiben.

Die Betroffene zeigt auf das Grab ihres Mannes. Eine kleine sowie eine große Blumenschale sind leer. Vor dem großen Grabstein befindet sich dunkle Erde an der Stelle, wo noch vor ein paar Wochen Stiefmütterchen blühten. Rund 60 bis 70 Pflanzen fehlen an den drei Stellen. Doch es sind nicht die gestohlenen Blumen, die die Dame wütend machen. „Die herausgerissenen Planzen haben mich geärgert, aber eine Mülltonne auf dem Grab meiner Eltern zu entleeren, das hat mich verletzt“, berichtet sie.

Die Betroffene kontaktierte die Polizei und erstattete Anzeige. Gegen einen tatverdächtigen Rotthauser läuft ein Ermittlungsverfahren. Zweimal wurde er erwischt. Außerdem fand die Polizei herausgerissene Blumen bei ihm, die zu den betroffenen Gräbern passen. „Geklaut wurde hier auf dem Friedhof schon immer“, berichtet Friedhofsgärtner Carsten Verse und ergänzt: „Drei Wochen vor Ostern nahmen die Fälle jedoch zu.“ Angehörige mehrerer betroffener Gräber meldeten sich bei Verse. „Wenn sich die Gräber bei uns in der Pflege befinden, haben wir die Pflanzen aus Kulanz ersetzt. Der reine Materialschaden beläuft sich auf rund 1.000 Euro“, führt der Friedhofsgärtner aus.

Doch es sind nicht nur gestohlene Blumen, die bei den Besuchern ein ungutes Gefühl auslösen. Zerstörte Grablampen, beschädigte Bänke oder verdreckte Wege steigern das Unwohlsein. Der Grund: Ab 18 Uhr treffen sich vermehrt Jugendliche auf dem großen Teil des Friedhofes. „Sie hören beispielsweise laut Musik, werfen Speisereste, Zigarettenstummel und Getränkebecher achtlos weg“, beschreibt Verse.

In den Abendstunden werden die Bänke auf dem Friedhof zu beliebten Treffpunkten für Jugendliche. Verschmutzungen und Beschädigungen sind oftmals die Folgen.

Anders als bei kirchlichen Friedhöfen werden städtische Friedhöfe nicht abgeschlossen. Einen entsprechenden Antrag lehnte die Stadt Gelsenkirchen ab. Insgesamt verfügt der Rotthauser Friedhof über zwölf Eingänge. Verse schlägt vor, nur einen zentralen Zugang zu öffnen und Nebeneingänge zu schließen. Kurzfristig hoffen die Beteiligten jedoch auf vermehrte Streifen von Polizei und Kommunalem Ordnungsdienst (KOD).