Fleischkauf ist Vertrauenssache

In der Fleischerei von Susanne Zimmermann und Christian Pütz (von links) bekommen die Kunden nicht nur eine große Auswahl an Fleisch, sondern auch eine kompetente Beratung zur richtigen Zubereitung. Foto: Julian Preuß

Weniger ist mehr: Gute Produkte sind bis zu 60 Prozent teurer, schmecken aber besser und sind gesünder

(JP) Tierquälerei, schlecht für Umwelt und die eigene Gesundheit: Der Verzehr von günstigen Fleischprodukten steht immer öfter in der Kritik. Christian Pütz (58) weiß, an welchen Eigenschaften Kunden hochwertiges Fleisch erkennen können. Die Herkunft der Tiere ist entscheidend.

Durschnittlich verzehren die Deutschen jährlich rund 60 Kilogramm an Fleisch und Wurst. Groß ist die Nachfrage nach günstigen Produkten – zum Leidwesen der menschlichen und tierischen Gesundheit. Aus diesem Grund entschieden sich Susanne Zimmermann und Christian Pütz 2011 dazu, in der Fleischerei Ferdi Pütz an der Feldmark­straße 112, nur noch Fleisch von Tieren zu vertreiben, die nach Neuland-Kriterien gehalten werden. Demnach leben die Tiere ebenfalls in Freilandhaltung. „Die Produkte heben sich stark vom herkömmlichen Fleisch aus dem Discounter ab“, erklärt Christian Pütz und ergänzt: „Die Konsistenz ist fester, das Fleisch weist eine zarte Fettmarmorierung auf und verliert beim Braten nur wenig Wasser. Dadurch bleibt ein intensiver Geschmack erhalten.“

Tiere bekommen keine präventive Antibiotika-Behandlung

Produkte aus Bio- oder Freilandhaltung bieten allerdings noch mehr als ein besseres Genusserlebnis. Die Gesundheit der Tiere überträgt sich ebenfalls auf das menschliche Wohlbefinden. „Die Schweine, Rinder, Puten oder Hähnchen werden nicht präventiv mit Antibiotika behandelt“, erläutert Pütz. Die Richtlinien für die Neuland-Haltung decken sich fast mit denen für die Bio-Haltung. Die Tiere verbringen ihre Zeit draußen, bewegen sich mehr. Dadurch bilden sie mehr Muskelmasse aus, die sich auf die Konsistenz auswirkt. „Das Futter muss nachweislich aus Deutschland kommen und darf keine Zusatzstoffe erhalten oder gentechnisch verändert sein“, beschreibt Pütz. Einzig eine Bio-Zertifizierung sei nicht erforderlich. Dagegen muss die Herkunft der Tiere belegt werden. Pütz bezieht seine Produkte vom Neuland-Vertrieb in Bergkamen, rund 40 Kilometer von Gelsenkirchen entfernt. Die Tiere stammen von Höfen aus einem Umkreis von 200 Kilometern. Maximal vier Stunden darf der Lebendtransport dauern.

Der erhöhte Aufwand in der Haltung, im Transport und in der Verarbeitung spiegelt sich allerdings im Preis wieder. „Der ist um bis zu 60 Prozent höher“, räumt Pütz ein. Der gelernte Kaufmann rät deshalb, den Fleischkonsum zu reduzieren, aber dafür bewusster zu kaufen. Dies vermittelt er auch seinen Kunden, die aus der Feldmark und Rotthausen kommen, aber auch den Weg aus Bochum, Recklinghausen oder Mülheim auf sich nehmen. Gutes Fleisch zu kaufen, ist schließlich eine Sache des Vertrauens.


Ernährungspyramide gibt Tipps

Aus der täglichen Ernährung sind Fleischprodukte kaum wegzudenken. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfielt jedoch, Fleisch und Wurst nur selten zu verzehren. „Als Teil einer vollwertigen Ernährung kann eine kleine Menge die Versorgung mit lebenswichtigen Nährstoffen erleichtern“, heißt es auf der Homepage. Dazu seien wöchentlich zwischen 300 und 600 Gramm ausreichend. Bei hohem Konsum von rotem Fleisch (Rind, Schwein, Lamm bzw. Schaf und Ziege) bestehe zudem erhöhtes Darmkrebs-Risiko. Für weißes Fleisch (Geflügel) bestünden derzeit keine solchen Erkenntnisse.

Weitere Infos unter: www.dge.de