Exotische Tiere lebten im Zoo bei Haus Leithe

eiche und dichte Bäume sorgten für die ganz eigene Idylle des Tierparks, der als Hobby gegründet wurde. Foto: Institut für Stadtgeschichte GE, Bildnummer: StA Ge, FS III, 1224-22 / Kurt Müller

Direkt vor der Haustür schufen Ehrenamtliche 1930 einen Tierpark – heute ist er fast vergessen

Ein Tierpark mit exotischen Bewohnern direkt an der Rotthauser Grenze – was heute schwer vorstellbar ist, war früher neben Haus Leithe Realität.
Von den Mitglieder des „Aquarien-Liebhaber-Vereins“ 1930 gegründet, erweiterte sich der Bestand des Tierparks kontinuierlich. Ende der 1950er Jahre musste der Park erzwungenermaßen schließen. Gastautor Alexander Pentek erinnert an die Zeiten, als Waschbären, Affen und Falken vor den Toren des Stadtteils beheimatet waren.

Als direkt hinter der Rotthauser Grenze noch ein Heimattiergarten war

Vielfältige Fauna vor der Haustür: Noch in der Nachkriegszeit waren Papageien, Schlangen und Waschbären unweit von Haus Leithe am Junkerweg beheimatet

Von Alexander Pentek

Auf die Frage nach einem „Tierpark“ in Gelsenkirchen dürfte den meisten zuerst die ZOOM Erlebniswelt einfallen – oder aber deren direkter Vorgänger, der 1949 gegründete Ruhr-Zoo. Doch die Gelsenkirchener Zoogeschichte geht erheblich weiter zurück und ist reich an verschiedenen Einrichtungen.

So wurde bereits 1887 von Carl Cofflet in der heutigen Von-Oven-Straße in der Altstadt der „Tiergarten“ gegründet, ein Gastwirt-Zoo mit bemerkenswertem Tierbestand, in dem bis zum Ersten Weltkrieg von Meeresfischen über Riesenschlangen, Greifvögel, Affen und Beuteltiere bis zum Strauß oder Braunbär ein exotisches Wunderland auf die Besucher wartete

Tierpark am Junkerweg nach dem Krieg wieder aufgebaut

Auch wenn Rotthausen selbst nie über einen Zoo verfügte, rückt durch eine neue Veröffentlichung des Heimatbundes Gelsenkirchen e.V. nun neben einem bemerkenswerten Ückendorfer Braunbären und Hirschen im Stadtgarten auch ein verschwundener Tierpark am Junkerweg wieder stärker ins öffentliche Bewusstsein. Nur die ältesten Rotthauserinnen und Rotthauser dürften sich noch an jene tierische Attraktion erinnern, die sich einst kurz hinter der Grenze in der Neustadt befand.

Direkt neben dem alten Herrensitz Haus Leithe existierte hier noch in der Nachkriegszeit ein Heimattiergarten. Auf engstem Raum, eingekeilt zwischen dem Junkerweg, Haus Leithe und den Häusern an der Bokermühlstraße, hatten engagierte Ehrenamtliche trotz des allgemeinen Mangels ihren Vereinstierpark unter großen Mühen wieder aufgebaut.

Wer die Anlage damals als Kind erlebt hat, dürfte sich vor allem an das Meerschweinchendorf oder an die possierlichen Waschbären erinnern. Tatsächlich aber verfügten die Tierfreunde auch über einen attraktiven Bestand an Vögeln, heimische Raubtiere und über ein kleines Haus mit etlichen Schauaquarien, in denen die prächtig bunte Unterwasserwelt südlicher Gefilde eindrucksvoll gezeigt wurde.

Große Tiervielfalt lässt Anlage zu „Kleinzoo“ wachsen

Gegründet hatten die Mitglieder des „Aquarien-Liebhaber-Vereins“ ihren Tierpark bereits 1930. In den folgenden Jahren bauten sie mit großem Engagement einen Tierbestand auf, der weit über ihr eigentliches Hobby hinausreichte und Papageien, Amphibien, Schlangen, Schildkröten, ein erstes
Waschbärenpaar, Eichhörnchen, Igel, Turmfalke, Fuchs und Affe auf dem schmalen Streifen Land versammelte. Als „Kleintierzoo“ erreichte die Anlage stadtweite Bekanntheit und war natürlich eine besondere Attraktion für die kleinen und großen Tierfreunde der Umgebung. Noch bis weit in den Zweiten Weltkrieg hinein eröffnete der Kleintierzoo in jedem Frühjahr seinen Saisonbetrieb.

Schon 1948 ermöglichten die Aquarienfreunde ihren Mitbürgern in der zerstörten Stadt wieder erste Begegnungen mit wilden Tieren. Trotz der allgemein schwierigen Lage bauten sie ihren Tierpark wieder auf und nannten ihn nun „Heimattiergarten“. Damit verbunden war der Anspruch, sich fortan auf die heimische Tierwelt zu fokussieren und diese der Stadtbevölkerung näher zu bringen.

Doch einerseits war das von der Stadt gepachtete Grundstück zu beengt, andererseits gerieten die Tierfreunde in eine sehr unglückliche Situation: Mit der Eröffnung des späteren Ruhr-Zoos an Ostern 1949 wurden sie für die Verantwortlichen der Stadt Gelsenkirchen zur unliebsamen Konkurrenz des neuen kommunalen Tierparks im Bismarckhain.

Ende 1950 fand die Geschichte des Vereinszoos neben Haus Leithe – nach aufreibenden, wendungsreichen Monaten, in denen u.a. auch ein Umzug in den Von-Wedelstaedt-Park nach Ückendorf möglich schien – ein erzwungenes Ende.
Vom Idealismus der engagierten Ehrenamtlichen ist vor Ort nichts Sichtbares geblieben. Auf dem Gelände des alten Zoos am Junkerweg befindet sich nun ein Kinderspielplatz.


Der Autor:

Alexander Pentek (32) ist gebürtiger Rotthauser. Seit 2018 engagiert er sich im Vorstand des Heimatbundes Gelsenkirchen. Die Leidenschaft für Historisches begleitet Pentek schon seit der Grundschule. Als Autor veröffentlichte er bereits Krimis und ein Buch über historisches Todesfälle in Gelsenkirchen.

 


Infos zum Heft:

Die Geschichte des Heimattiergartens liegt mit vielen spannenden Zitaten und Berichten ausführlich aufgearbeitet im neuen Heft „Gelsenkirchens verschwundene Tierparks“ von Alexander Pentek vor (Heft Nr. 21 der Reihe „Gelsenkirchen in alter und neuer Zeit“). Erhältlich ist es für 5 Euro bei den Buchhandlungen Junius und Kottmann, bei der Tourist-Info im Hans-Sachs-Haus oder direkt beim Heimatbund Gelsenkirchen e.V. (Volkshaus Rotthausen, Mozartstraße 13, dienstags 17-19 Uhr). Weitere Infos: www.heimatbund-gelsenkirchen.de