Eine lange und wechselvolle Geschichte

Die Karten verdeutlichen die Entwicklung am Dahlbusch (v.l.): Die rote Linie beschreibt in etwa die heutige Lage auf einer Karte von 1800. – Auf dem Ausschnitt von 1951 ist der alte Weg leicht gelb markiert – Schließlich der heutige Verlauf samt parallelem Teilstück. Karten: Stadtteilarchiv/Gelsenkirchener Geschichten/Stadt Gelsenkirchen

Begriff Dahlbusch entstammt dem Gehölz „Im Dael“ – Heutige Straßenführung besteht erst seit 35 Jahren

Von Frank Winter

Die Straße Am Dahlbusch führt heute von der Steeler Straße aus ostwärts und geht dort in die Mechtenbergstraße über. Erst seit 35 Jahren gibt es diese Straße, deren Historie jedoch viel weiter zurückreicht.

Der Bürgerverein Rotthausen hatte 1983 den Namen vorgeschlagen, der für das neue Straßenstück gewählt wurde. Dieses war Folge des Baus einer neuen Brücke über die Bahnlinie, die eine neue Straßenführung parallel zur Karl-Meyer-Straße (KMS) einschloss. Die KMS wurde abgebunden und damit verkürzt, erhielt einen Wendekreis und ist seitdem noch mit einem Fuß- und Radweg mit der Straße Am Dahlbusch verbunden.
Irritationen postalischer Art gabe es gleich in der Anfangsphase Ein kleines Parallelstück zwischen Bromberger und Danziger Straße war nämlich irrtümlich in den Verlauf einbezogen worden. Dabei bestand keinerlei Verkehrsverbindung zwischen beiden Straßen.

Dies fiel allerdings erst auf, nachdem sich die Anschrift von Karl-Meyer-Straße in Am Dahlbusch geändert hatte. 1985 wurde das Teilstück also in die Bromberger Straße einbezogen.

Doch nur zweieinhalb Jahre später folgte die Kehrtwende. Anwohner hatten sich erfolgreich darüber beschwert, dass sich nun schon wieder ihre Adresse ändern sollte. Also blieb es bei der einmaligen Änderung. Die beiden Teilstücke Am Dahlbusch sind weiterhin nur durch einen Fußweg miteinander verbunden.
Ein kleines Teilstück mit dem Namen Am Dahlbusch hatte es aber bereits gegeben. Es war nur eine kleine Sackgasse, die von der KMS aus nördlich bis ans Tor der damaligen Flachglas AG führte.

Diese kleine Stichstraße wiederum war früher wesentlich länger und hieß Dahlbuschstraße. Diese führte an der Bergehalde via Fußgängerbrücke über die Bahngleise bis zum östlichen Teil der heutigen Bromberger Straße, die damals auch bis zur Weindorfstraße den Namen Dahlbuschstraße trug.

Exakt „Im Dael“ wurde Schacht I abgeteuft

Der Name entstammt der Nachbarschaft. Der Busch „Im Dael“, also das Gehölz in der Delle oder im Tal, lag auf heutigem Pilkington-Areal. Exakt dort wurde ab 1853 Schacht I abgeteuft, also mittels senkrechter Hohlräume erschlossen.Das dazu nötige Holz wurde teils im Dahlbusch, wie er seit jener Zeit genannt wurde, geschlagen. Eben dort wurde später auch der anfallende Abraum abgeladen.

Kein Wunder also, dass die 1878 neu gegründete Bergwerksgesellschaft den Namen Dahlbusch erhielt.


Von Schulz-Briesen bis Chaudron

Persönlichkeiten der Bergwerkgesellschaft in Straßennamen

(win) Der Name Dahlbusch wird in Rotthausen stets mit dem Bergbau verbunden, auch wenn der Ursprung wesentlich älter ist.Die Verbundenheit mit der Bergwerkgesellschaft wird in vielen Straßennamen deutlich, die an verdiente Männer des Unternehmens erinnern.

Da ist vorneweg die Schulz-Briesen-Straße. Sie führt von der Rotthauser Straße zur Terkampstraße und erinnert an Bruno Schulz-Briesen. 36 Jahre lang (1863-1899) leitete er von 1863 bis 1899 das Unternehmen als Direktor.

In dieser Zeit wirkte auch Karl Brüggemann seit 1879 als kaufmännischer Direktor. Er wurde im Mai 1899 aufgrund einer schweren Erkrankung von Bruno Schulz-Briesen auch neben dessen Sohn Max in den Vorstand bestellt. Die Brüggemannstraße führt von der Mechtenbergstraße aus bis auf die Lüthgenstraße.

Womit wir schon bei der nächsten Dahlbusch-Person wären. Bergassessor Hermann Lüthgen war von 1905 bis 1912 Generaldirektor der Dahlbusch AG, ehe er wegen einer Erkrankung in den Ruhestand trat.

Die Nachfolge Schulz-Briesens trat als Vorstandsvorsitzender Eugen Tomson an. Der königliche belgische Konsul starb am 8. August 1905 in Rotthausen. Die Tomsonstraße führt von der Mechtenbergstraße bis zur Nikolaus-Ehlen-Straße.

Von dort gen Norden führt die Chaudronstraße bis zur Memeler Straße. Der 1822 geborene Belgier Josef Chaudron war schon in jungen Jahren maßgeblich an der Entwicklung der späterenBergwerksgesellschaft beteiligt, dessen Aufsichtsrat er von 1873 bis 1905 als Präsident vorstand.

Übrigens machte sich der familiäre Charakter der Zeche nicht nur in der Arbeiterschaft, sondern auch im Vorstand bemerkbar: Max Schulz-Briesen war ab 1899 Vorstandsmitglied, Werner Lüthgen von 1935–1960 Vorstandsvorsitzender und Albert Chaudron jun. Mitglied der Rechnungsprüfungskommission (1897–1902).