Ein Tag Schule, vier Tage Wohnzimmer

Dilara und Defne Mecilioglu (von links) erledigen die Schulaufgaben auch am heimischen Küchentisch. Der Fernseher im Hintergrund bleibt dabei allerdings aus. Foto: Julian Preuß

Kaum Unterricht, viel Lernstoff und Pauken zuhause: Familie Mecilioglu sehnt normalem Alltag herbei

(JP) Einmal wöchentlich zum Unterricht – das klingt wie der Traum jeden Schülers. Für Dilara (10), Defne (13) und auch für Mutter Dagmar Mecilioglu (52) wird das Lernen im heimischen Wohnzimmer immer mehr zur Grenzerfahrung.

Stapelweise liegen Bücher, Schulhefter und Schnellhefter mit Ausdrucken auf dem großen Wohnzimmer-Sofa der Familie Mecilioglu. Die 13-jährige Defne geht in die siebte Klasse der Lessing-Realschule, die 10-jährige Dilara besucht die vierte Klasse der Turmschule in Rotthausen – eigentlich.

Das Corona-Virus legte den Schulalltag am 16. März lahm. Nur langsam kehrt ein Funken Normalität in das Leben der beiden Schülerinnen. Dilara darf seit dem 7. Mai wieder in die Schule, Defne seit dem 18. Mai. Allerdings nur für einen Tag in der Woche. Die restlichen vier Tage müsssen die Mädchen zuhause lernen.

Zuhause zu lernen entwickelt sich zur Dauerbelastung

„Anfangs fande ich es noch ganz cool, zuhause zu bleiben. Aber ich habe den Alltag mit meinen Freunden vermisst“, gesteht Dilara. Für Deutsch, Mathe, Englisch, Physik, Chemie, Biologie und Sozialwissenschaft lernte die Realschülern zunächst am Wohnzimmertisch, dann am neuen Schreibtisch im Kinderzimmer. Genau wie ihre Schwester. „Dilara fällt es schwer, sich zuhause für die Schule zu motivieren. In der Schule schafft sie in der gleichen Zeit mehr Aufgaben“, berichtet Mutter Dagmar Mecilioglu. Die alleinerziehende Mutter einige sich mit ihren Töchtern auf eine Lernzeit von zwei Stunden.

„Um die Zeiten einzuhalten, haben wir einen Vertrag geschlossen“, erklärt die gelernte Floristin, die über WhatsApp, E-Mails, Telefon oder Lernplattformen Kontakt zu den Lehrkräften hält. „Ich versuche den Mädels so gut es geht zu helfen. In den naturwissenschaftlichen Fächern verfüge ich wegen meiner Ausbildung über viel Wissen. In anderen Bereichen eigne ich mir viel im Internet an“, ergänzt die 52-Jährige. Das ginge aber nicht, wenn sie arbeiten würde. „Ich wollte mir eigentlich wieder einen Job suchen. Das Vorhaben habe ich aber erstmal verschoben“, beschreibt die zweifache Mutter.

Kein Heim-Unterricht ohne digitale Medien

Internet und Computer sind zwar für das Lernen zuhause unersetzlich. Dennoch bleibt der PC aus, wenn sich die Kinder konzentrieren sollen. Vielmehr hofft Dagmar Mecilioglu darauf, dass ihre Kinder bald wieder öfter zur Schule gehen – damit wieder ein normaler Alltag herrscht und die Dauerbelastung für Mutter und Töchter weiter abnimmt.