Ein Sport geht auf Nummer sicher

Pressesprecher Horst Danreiter, Kassiererin Johanna Falkenberg, Vorsitzender Rainer Volz und Geschäftsführerin Ingrid Sackenreuther (von links) leiten den Verein. Foto: Julian Preuß

(JP) Tradition statt Ballern: Für den Bürgerschützenverein Rotthausen ist das Schießen ein Sport, der von hohen Sicherheitsmaßnahmen und alten Traditonen begleitet wird. Moderne Technik soll Kindern den Einstieg erleichtern.

Freitagsabends ist Hochbetrieb im Vereinsheim des BSV Rotthausen „Zum Rosengarten“ im Kleingärtnerverein Gelsenkirchen Süd an der Mechtenbergstraße 409. Um 18 Uhr startet der Trainingsbetrieb. Hinter einer Wand aus dickem Panzerglas zielen die Schützen aus zehn Metern Entfernung mit Luftgewehren oder Luftpistolen auf kleine Zielscheiben.

„Schießen ist ein Präzisionssport. Wir schicken jeden wieder weg, der einfach nur ballern will“, sagt Rainer Volz, erster Vorsitzender des 1966 gegründeten Vereins. Damit distanzieren sich die Bürgerschützen von jeder Art der Waffengewalt. Auch das Training findet unter strengen Sicherheitsvorkehrungen statt. „Die sechs Schießbahnen werden von mindestens einer Aufsicht betreut. Diese muss einen Waffenkundelehrgang absolviert haben. Außdem ist Alkohl absolut tabu“, beschreibt Volz, der seit 1996 Mitglied und seit 2008 erster Vorsitzender ist.

Mittlerweile zählt der Verein noch rund 70 Mitglieder. Nachwuchs kommt kaumnach – vor allem, weil Kinder und Jugendliche erst ab zwölf Jahren mit einem Luftgewehr schießen dürfen. Für Kinder ab zehn Jahren bietet der Verein Blasrohrschießen an. Julia Traud (10), Tochter des aktuellen Königspaares Christian und Bettina Traud, hat mit dem Blasrohr schon an Meisterschaften teilgenommen. „Bis zu diesem Alter haben sich Kinder allerdings oft für einen anderen Sport entschieden. Daher schaffen wir eine Lichtschießanlage an. Damit dürfen auch Jüngere üben“, erklärt Volz.

Luftwaffen lagern in einem ehemaligen Polizeitresor

Die Luftgewehre und Luftpistolen lagern in einem ehemaligen Polizeitresor. Zudem existieren fünf scharfe Waffen mit einem 4,5-Milimeter-Kleinkaliber. Diese befinden sich jedoch nicht im Vereinsheim, das sich die Bürgerschützen als Pächter mit dem Kleingärtnerverein teilen. „Um scharfe Waffen lagern zu dürfen, muss man eine ganze Reihe von strengen Auflagen erfüllen“, beschreibt Geschäftsführerin Ingrid Sackenreuther: Man muss über 25 Jahre alt sein, ein polizeiliches Führungszeugnis aufweisen, einen Waffenkundelehrgang absolviert haben sowie eine Waffenbesitzkarte vorweisen. Diese berechtigt nicht zum Tragen der Waffe. Außerdem registriert die Polizei die Pistolen und Gewehre und prüft den Tresor. Von diesen müssen außerdem Fotos bei den Behörden hinterlegt werden.“

Die Tradition der Bürgerschützen hat ihren Ursprung vor gut 500 Jahren. „Damals gab es noch keine Polzei. Die historischen Schützengilden, sollten dem Wortlauf nach die Bürger beschützen. „Deshalb bekamen sie auch in den folgenden Jahrhunderten Uniformen, die heute immer noch bei Schützenfesten getragen werden“, erklärt Rainer Volz den Ursprung der Bürgerschützen. Wegen ihrer historischen Aufgabe würden andere Vereine ihre Mitglieder noch nach militärischen Dienstgraden einstufen.

Der Schutz der Bürger ist heute Aufgabe der Polizei. Die Rotthauser Bürgerschützen konzentrieren sich deshalb auf den Schießsport und halten die Traditionen aufrecht. „Einige Schützen sind auf der Kreis- und Bezirksebene sehr erfolgreich und konnten sich schon für Landes- und Deutsche Meisterschaften qualifizieren“, sagt Sackenreuther. Gemessen wird sich in verschiedenen Altersklassen. Schützen bis 35 Jahre schießen aus freier Hand. Danach dürfen die Luftgewehre wegen des hohen Gewichtes auf einer Auflage platziert werden.

Nächstes Schützenfest für den 14. Juni geplant

Fest montiert ist das Gewehr jedoch beim Schützenfest. Damit geht der Verein sicher, dass keine Kugel den vorgesehenen Bereich verlässt, in dem das Ziel platziert ist. Das nächste Schützenfest veranstaltet der Verein am Sonntag, 14. Juni ab 11 Uhr. Außerdem ist das Osterfeuer am Samstag, 11. April, ab 15 Uhr geplant. Um das Feuer entzünden zu können, sammeln die Bürgerschützen die Weihnachtsbäume der Kirchen der Emmaus-Kirchengemeinde. Veranstaltungen sind außerdem notwendig, damit sich der Verein finanzieren kann. „Wir haben unsere Räumlichkeiten nur gepachtet. Alleine durch die Mitgliederbeiträge sind die laufenden Kosten nicht zu decken. Auf Anfrage können hier auch Familienfeiern stattdfinden“, so Volz, der nach den Feiern oft neue Interessierte begrüßen kann.

Kontakt: info@bsv-rotthausen.de