Ein Beispiel für gelungene Integration

Jetzt pflegt er ein Wahrzeichen von Rotthausen: Mohammad Al Qawaji (rechts) mit seinen Auftraggebern Andreas Lange und Klaus Koschei vom Vorstand des Rotthauser Netzwerks. Foto: JP

Nach seiner Flucht aus Syrien baute sich Mohammad Al Qahwaji in Gelsenkirchen ein neues Leben auf

Von AHMAD SHIHABI

Mohammad Al Qahwaji (41) ist einer von hunderttausenden Menschen, die zwischen 2015 und 2018 nach Deutschland kamen. Der aus Damaskus geflohene Syrer wohnt nun in der Feldmark und hat sich selbstständig gemacht.

Wegen des Krieges, des zunehmenden Lebensdrucks und der wenigen Beschäftigungsmöglichkeiten hatte er sich entschlossen, Syrien zu verlassen und mit Frau und Kindern nach Deutschland zu fliehen. Er ist Tischler von Beruf, außerdem hatte er auch als Immobilienmakler gearbeitet.

2017 hat Mohammad seinen Aufenthaltstitel als anerkannter Flüchtling bekommen, durch den darf er in Deutschland mindestens für die nächsten drei Jahre bleiben. Er hat die Möglichkeit, die Aufenthaltsberechtigung zu verlängern, wenn sich die Situation in Syrien nicht verbessert und er sich mit seiner Familie gut in die Gesellschaft in Deutschland integriert.

Als er nach Deutschland kam, stellte Mohammad sich einige Fragen: Wie kann man sich selbst in diese Gesellschaft integrieren? Wie kann man ein gutes Bild seiner eigenen Kultur vermitteln? Und was kann man über seine neue Gesellschaft und ihre Bürger erfahren? Auf diese Fragen gab es in Mohammads Kopf nur eine Antwort: das Lernen der Deutsche Sprache, die er als den Schlüssel zu jeder erfolgreichen Arbeit in dieser Gemeinschaft betrachtet. Deswegen besuchte er Sprachkurse und versuchte immer, sich über Deutschland und seine Gesellschaft durch das Internet von Zuhause zu informieren, um den Weg zu verkürzen, ein produktiver Teil in dieser Gesellschaft zu sein.
Durch die Sprachkurse schafften Mohammad und seine Frau ihre ersten Schritte. Danach versuchte er mit seinen Sprachkenntnissen einen Job zu finden, um unabhängig vom Jobcenter zu sein.

Familienvater wollte finanziell unanbhängig sein

Mohammad wollte sein eigenes Geld verdienen, deswegen bewarb er sich als Fahrer bei Amazon. Dank dieser Stelle hatte er die Möglichkeit, von Baden-Württemberg nach Gelsenkirchen umzuziehen. Allerdings konnte er aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr als drei Monate arbeiten.
Als Allererstes wollte der Familienvater seinen Tischlerberuf wieder in Deutschland ausüben. Dafür brauchte er jedoch eine abgeschlossene Ausbildung. Mit 41 Jahren war es mehr als schwer, einen Ausbildungsplatz zu bekommen. Daher traf er die Entscheidung, selbstständig zu arbeiten und sein eigenes Unternehmen zu gründen, das verschiedene Leistungen wie Transport, Garten-Service sowie Ein- und Ausbau von Küchen anbietet.
Mohammad hatte keine deutschen Freunde, die ihm bei der Antragstellung helfen konnten. Die nötigen Informationen und Unterlagen besorgte er sich im Internet. Das gab ihm die Möglichkeit, seine Firma im Juli 2019 zu gründen. Auch Erklärvideos halfen dem Syrer, mit der Bürokratie und Behörden wie dem Finanzamt umzugehen, weil Mohammad nur wenig Erfahrung auf dem deutschen Markt hat. „Die kommen aber mit der Zeit“, sagt er.

Erster fester Auftrag in Rotthausen

Zusätzliche Hilfe erhielt er von Anke Kaliski und Yasser Hussain, zwei Mitarbeitern des AWO-Quartierszentrums in der Feldmark. Beide betreuten den Geflüchteten über mehrere Wochen. Durch die Zusammenarbeit des AWO-Quartierszentrums mit dem Rotthauser Netzwerk gelangte Mohammad ebenfalls an seinen ersten langfristigen Auftrag. Der Netzwerk-Vorstand trug ihm auf, den Förderwagen des Netzwerks an der Ecke Auf der Reihe/Schwarzmühlenstraße zu pflegen und zu säubern. Der erste große Schritt in die Selbstständigkeit ist für Mohammad Al Qahwaji damit getan.

Ahmad Shihabi, der Autor dieses Beitrags, ist ebenfalls aus Syrien nach Deutschland geflüchtet. Er arbeitet seit 2019 als Redaktionsassistent des JournalistenBüros Herne, das auch die Rotthauser Post herausgibt.