Blick zurück in Freud und Leid

Unter riesiger Anteilnahme der Bevölkerung wurden die 78 Opfer vom 20. Mai 1950 beerdigt. Foto: Bergbausammlung/Roland Hauptmann

1955 war die Geburtsstunde der legendären Dahlbuschbombe – Aber auch zwei Unglücke jähren sich: Schlagwetterexplosionen forderten 78 Tote vor 70 Jahren und 42 Tote vor 65 Jahren

Von Frank Winter

12. Mai 1955: Fahrsteiger Willi Kipp in der Bombe, mit der er die drei Bergleute auf die 11. Sohle zurückholte.

In diesem Jahr jähren sich gleich zwei große Unglücke auf der Zeche Dahlbusch, gedenken wir vieler Toter. Anlass zur Rüchschau auf ein freudiges Ereignis gibt es aber auch: Die Dahlbusch-Bombe rettete vor 65 Jahren drei Bergleuten das Leben.

Am 20. Mai 1950 ereignete sich auf der 7. Sohle von Schacht 6 im Westfeld eine Schlagwetterexplosion. 78 Tote waren zu beklagen, nur sechs Bergleute überlebten mit schweren Verbrennungen.

Am 12. Mai 1955 dagegen gab es nur strahlende Gesichter in Rotthausen. Fünf Tage zuvor war ein Blindschacht eingestürzt, wodurch die drei Bergleute Martin Sander (34), Heinz Krause (33) und Manfred Arlt (18) zwischen 10. und 11.Sohle eingeschlossen waren. Innerhalb von nur fünf Tagen entwickelten die Ingenieure und Techniker die Dahlbuschbombe und bargen die drei Kumpel über eine 42 Meter lange senkrechte Bohrung nach oben.

Die Dahlbuschbombe erlangte größere Berühmtheit beim so genannten „Wunder von Lengede“, als im September 1963 mit ihrer Hilfe 14 Bergleute gerettet wurden. Weltweit Aufsehen erregte die Weiterentwicklung Phoenix, die 2011 zur Rettung von 33 chilenischen Bergleuten eingesetzt wurde.

Doch die Freude über die geglückte Rettung währte 1955 nicht lange. Kaum drei Monate, am 3. August, ereignete sich im Feldteil Hibernia ein neuerliches Schlagwetterunglück. Der daraus entstandenen Grubenbrand forderte 42 Opfer.

Wie schon fünf Jahre zuvor reiste Bundespräsident Theodor Heuss auch 1955 nach Rotthausen, um eine Trauerrede zu halten.

Banges Warten vor den Toren im August 1955. Am Ende wurden 42 Tote betrauert. Fotos (3): Bergbausammlung