Aufbruch ins Nebenan

Talkrunde: Der Gelsenkirchener Künstler Christoph Lammert in einer Talkrunde mit der Musikerin Kristin Sophie. Foto: Uwe Rudowitz

Kulturprojekt „Neighboring Satellites“ stellt sich vor

(JP) Mit dem Projekt „Neighboring Satellites“ nimmt Künstler Christopher Lammert Kurs auf Rotthausen.
Im großen Saal des Kolpinghauses stellte der Maler und Grafiker seine Idee vor, Kunst und Kultur als Bausteine einer gelingenden Stadtgesellschaft zu verankern. Unter dem etwas sperrigen Titel „Neighboring Satellites“ will das Projekt auf künstlerische Weise aufzeigen, wie Kunst und Kultur zu guten Nachbarn im Quartier werden – nach dem Motto „Neue Ideen brauchen alte Räume.“

#nebenanbeginntdiewelt

Projekt „Neighboring Satellites“ sucht versteckte Orte als „Möglichkeitsräume“ für kreatives Miteinander

(JP) Was in Ückendorf funktioniert, soll auch in Rotthausen klappen. Der Nachbarstadtteil beweist mit dem Kreativquartier an der Bochumer Straße, wie phantasievolles, buntes und vielfältiges Leben ein Quartier aufleben lassen kann. Der Künstler Christoph Lammert, Leiter des Kulturprojekts „Neighboring Satellites“, ist überzeugt, dass sich künstlerischer Geist auch in Rotthausen ausbreiten kann. Der erste Funke sprang Ende Oktober bereits über.

Licht an für den künstlerischen Geist, der durch Rotthausen wehen soll: Auf der Bühne im großen Saal präsentierten sich die Bands Jagsteit & Friends, Orfeas, die Singer-Songwriterin Kristin Sophie und der Schauspieler und Theaterleiter Thorsten Brunow.

Die Auftaktveranstaltung im Kolpinghaus gab einen ersten Vorgeschmack auf das, was noch kommen könnte: Die Musiker von Jagsteit & Friends, Orfeas, die Sängerin und Songschreiberin Kristin Sophie sowie der Schauspieler und Theaterleiter Thorsten Brunow machten den Gästen des Abends mit ihren Darbietungen Lust auf mehr. Der Hashtag lautet #nebenanbeginntdiewelt – eine verlockende Vorstellung.

Für Auftritte nach Art der Satelliten braucht es die passende Bühne. „Gemeinsam mit Interessierten aus der Nachbarschaft, aber auch mit Vereinen und Instutionen suchen wir nach neuen, alten oder verstecken Orten, die sich zu ,Möglichkeitsräumen‘ entwickeln könnten. Ich denke da an eine geschlossene Kneipe, ein leerstehendes Ladenlokal oder einen ungenutzten Platz“, sagt Christoph Lammert, der das Projekt mit einem sechsköpfigen Team betreut.

„In einer ersten Phase schauen wir, welche Möglichkeiten es gibt – prüfen die Eigentumsverhältnisse und beratschlagen, wie der Ort zunächst temporär hergerichtet und bespielt werden kann“, ergänzt Lammert. Sein Team präsentiert die Ergebnisse der ersten Projektphase am 19. Juni 2021 beim Festival Szeniale in Ückendorf. Danach gehe es in einem zweiten Schritt an die konkrete Umsetzung und Entwicklung eines neuen Heimatortes. „Dazu finden weitere Veranstaltungen und Dialogtreffen statt“, schaut Lammert voraus. Bereits im Vorfeld des Projektstarts gab es im Frühjahr Gespräche mit dem Rotthauser Netzwerk und der AWO über eine Zusammenarbeit. Unabhängig davon schaute sich das Team vor Ort in Rotthausen um, „um ein Gefühl für den Stadtteil zu bekommen“, sagt Lammert. Der Spaziergang führte die Mitwirkenden über den Rotthauser Markt und die Karl-Meyer-Straße bis zur St. Barbara-Kirche in die angrenzenden Grünflächen.

Die Veranstaltung im Kolpinghaus sei sehr aufschlussreich gewesen. „Wir haben schon einige Rückmeldungen der Zuschauer erhalten. Diese werten wir aktuell aus“, erklärt Lammert. Jeder könne mitmachen. „Die Leitung koordiniert die Abläufe und berät. Wir suchen gemeinsam mit den Interessierten und Projektbeteiligten aus, welche Orte und Räume wir wann und wie ausprobieren.“

Großes Finale 2022

Der Projektleiter verfolgt ein ehrgeiziges Ziel: „Bestenfalls finden bis zum Ende der Projektlaufzeit im Oktober 2022 Initiativen oder Investoren, die den neu belebten Heimatort weiter bespielen.“Bis dahin liegt allerdings noch viel Arbeit vor Christoph Lammert und seinen Mitstreitern. Schließlich dauert es, bis aus einem Funken ein Feuer entsteht.

Partner und Förderer

Gefördert und begleitet wird die kulturelle Stadtteilentwicklung durch namhafte Partner, zum Beispiel das Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes NRW, ECCE – european centre for creative economy, das Institut Arbeit und Technik IAT der Ruhr-Universität Bochum und die Stadt Gelsenkirchen.

Infos zum Projekt:
www.neighboringsatellites.ruhr
info@neighboringsatellites.ruhr


CHRISTOPH LAMMERT

Besondere Welten aus Farbe und Form

2017 verlegte der Maler und Grafiker Christoph Lammert (58), seinen Lebensmittelpunkt von Bochum nach Ückendorf. Sein Atelier befindet sich in einem Ladenlokal an der Bochumer Straße.

Eines seiner bekanntesten Werke, das monumentale Schöpfungswerk „Die große Seh-Karte“, hängt als Dauerleihgabe im Justizzentrum Gelsenkirchen. Über seine Arbeit schrieb die WAZ: Lammert „schafft mit seiner ganz besonderen malerischen Sprache eigene Welten aus kraftvollen Farben und dynamischen Formen, die immer auch an Landschaft erinnern (…) Der Blick des Betrachters verliert sich in der Weite der Kartenlandschaft, feine Linien bilden das Gerüst.“ Seit 2018 leitet und organisiert Christoph Lammert die Szeniale, das Festival der freien Künste.
www.christoph-lammert.de